Mit Dragon’s Dogma hat Capcom den Versuch, unternommen ein westliches Rollenspiel zu veröffentlichen. Drachen, Schwerter, Magie und viele Quests – so könnte man die Ingredienzen des Spiels beschreiben. Ob daraus ein gutes Gesamtpaket entstanden ist oder nur heilloses Durcheinander wollen, wir euch mit diesem Review verraten.
Nichtsahnend schlendert unser Held in einem kleinen Dorf umher und sieht in einer kleinen Menschenmenge seine Freundin, die Frau, die alles für ihn bedeutet. Es hätte ein schöner und friedvoller Tag werden können, doch es sollte alles anders kommen. Eine Bestie aus längst vergessenen Zeiten stürzt vom Himmel herab und versetzt alle in Angst und Schrecken. Es gibt keinen Zweifel, diese Kreatur ist durch und durch böse. Schon alte Geschichten haben von diesem Biest erzählt und nun ist der Drache zurück.
Während Soldat um Soldat die Flucht antritt, ist unser Held standfest und will nicht nur das Dorf, sondern auch seine Freundin vor dem sicheren Tod bewahren. Kurz entschlossen ergreift er ein Schwert und geht zum Angriff über. Welche Chancen kann man gegen eine solche Kreatur haben? Aber es geht nicht um Sieg oder Niederlage, sondern darum, seine Heimat und seine Liebe zu schützen. Das kühle Metall der Klinge rast und heult durch die Luft und trifft auf die steinharten Schuppen des gigantischen Drachen. Unser Held ist gerade einmal so groß wie ein Fuß und doch – Rückzug ist keine Alternative. Ein weiterer Hieb mit dem Schwert trifft den Drachen in seine Klaue – das Schicksal nimmt seinen Lauf. Für einen kurzen Moment keimt ein Funken Hoffnung im Herzen des Helden auf, nicht ahnend, dass es das letzte Mal ist, dass er das wohl vertraute Pochen seines Herzens spüren wird. Ein kleiner Stoß genügt und der künftige Held fliegt durch die Luft. Benommen ringt er nach Luft, während der Drache zu ihm spricht.
Die Worte versteht er nicht, es ist eine Sprache die älter ist als das gesamte Dorf. Noch immer unter Schmerzen leidend liegt er am Strand des kleinen Fischerdorfes, als die gigantische Klaue, die einer Menschenhand zum verwechseln ähnlich sieht, näher kommt. Als sich die Drachenkralle in die Brust unseres tapferen Helden bohrt, verfliegt dieser Gedanke schnell und macht dem Schmerz freie Bahn. Ein Schrei und das Herz ist fort, weg von seinem angestammten Platz. Das Jenseits wartet, doch der Held stirbt nicht. Es ist der Beginn seiner großen Reise.
Wo soll ich nur anfangen?
In einer Welt, in der Drachen, Magie und mystische Abenteuer Realität sind, ist einfach alles möglich, sogar dass ein Drache euch das Herz herausreißt und ihr noch immer lebt. Verbunden mit dem bösen Geschöpf bereitet ihr euch unwissend auf eine epische Reise vor. Euer Herz soll an seinen angestammten Platz zurück und damit wollt ihr euer Leben wieder in den eigenen Händen halten.
So simpel wie diese kleine Umschreibung ist Dragon’s Dogma dann doch nicht aufgebaut. Die Geschichte rund um euren Helden, dessen Namen ihr selbst festlegt, wird in vielen verschiedenen und sogar einigen Sidequests erklärt und davon hat Dragon’s Dogma so einige. Viele Dorf- und Stadtbewohner haben einen kleinen Auftrag für euch, der euch nicht nur Erfahrung, sondern auch Gold einbringt. Rollenspielanfänger könnten sich angesichts dieser Masse schnell überfordert fühlen, weiß man anfangs doch nicht wo man eigentlich hin soll, womit wir auch schon beim Kernproblem von Dragon’s Dogma wären.
Capcom hat viel in das Spiel packen wollen, auf den ersten Blick eventuell zu viel. Quests, wohin das Auge blickt, und das Gefühl, dass man euch einfach ins kalte Wasser geworfen hat, sind die ersten Eindrücke, die Dragon’s Dogma hinterlassen dürfte. Man muss erst einige Stunden verstreichen lassen, um sich mit dem Spiel und der Art von Dragon’s Dogma vertraut zu machen. Erst dann kann das Spiel seinen Charme entfalten und euch in den Bann ziehen, doch dürfte es einigen Spielern hier an Geduld fehlen.
Warte, was soll ich drücken?
Geduld sollte man auch für die Steuerung von Dragon’s Dogma mitbringen, denn obwohl das Schema ständig eingeblendet wird, hat man dadurch das Gefühl, mit der Tastenbelegung erschlagen zu werden. Es bedarf auch hier einiger Zeit, um die grundlegenden Funktionen und Tastenkombis zu verinnerlichen, denn einfach ist die Steuerung bei Dragon’s Dogma nicht gerade.
Nicht so sehr weil es unmöglich ist, einen Feind zu treffen, sondern vielmehr weil es so viele Möglichkeiten der Individualisierung gibt. Was für eingefleischte Rollenspiel-Gamer der Himmel auf Erden sein dürfte, ist für Einsteiger wohl eine wahre Gedulds- und Nervenprobe. Je nach Level könnt ihr eure gesammelten Erfahrungspunkte, die ihr für jedes Quest und erschlagene Monster erhaltet, in neue Fähigkeiten investieren. Nicht nur in Angriffe, sondern auch in Kernfähigkeiten oder passive Fertigkeiten. Damit könnt ihr einen fast einzigartigen Charakter schaffen. Diese Aufgabe müsst ihr nicht nur bei eurem Helden übernehmen, sondern auch bei euren Vasallen. Nachdem euch der Drache das Herz „gebrochen“ hat, könnt ihr euch einen dauerhaften Partner anlegen. Name, Geschlecht, Aussehen und Kampfart könnt ihr dabei selbst festlegen. Zwei weitere Vasallen könnt ihr euch im Rift, das nur für den Helden zugänglich ist aussuchen. Das Feature dabei ist, dass die Vasallen im Rift die Begleiter anderer Spieler sind, die ihr euch nach Belieben aussuchen könnt, sofern ihr euren bzw. ein anderer Held seinen Begleiter online bereitstellt.
Dies bringt euch nicht nur Erfahrungspunkte, sondern euer Vasall lernt ständig. So kann es vorkommen, dass ihr ein vollkommen neues Gebiet erschließt und euer Vasall kennt sich dort bereits aus und weiß, wohin ihr laufen müsst. Gleiches gilt für Quests. Heuert ihr andere Vasallen an, kennen diese eventuell bereits eine Aufgabe und können euch mit hilfreichen Tipps versorgen. Aber auch im Kampf stehen euch diese hilfreichen Recken zur Seite und oftmals sind sie auch das Zünglein an der Waage. Manche Gegner sind derart stark, dass ihr entweder einen Rückzug macht oder im Vorfeld eine gute Auswahl an Vasallen getroffen habt. Ist letzteres der Fall zeigt sich schnell, dass die richtige Wahl entscheidend sein kann. Zudem solltet ihr in Dragon’s Dogma stets gut ausgerüstet sein, denn auch das ist kampfentscheidend. Der Held und euer Vasall haben diverse Ausrüstungsmöglichkeiten, von den Waffenüber Kopf, Rücken, Ober- und Unterkörper bis zu den Armen könnt ihr hier einiges auswählen, um euch für den Kampf zu wappnen.
Ein großes Land
Dragon’s Dogma ist groß, geradezu gigantisch, wie es auch die Monster sind, was sich auch in der Grafik widerspiegelt. Capcom präsentiert uns ein zweischneidiges Schwert. Die Charaktere sind solide bis gut modelliert und auch die Welt als solche kann oftmals überzeugen. Vor allem dann, wenn man in den Wäldern des Spiels unterwegs ist. Andere Stellen hingegen wirken trist und öde, was sich auch in den Texturen dieser Gebiete zeigt. Es ist wahrlich schwer zu sagen, ob Dragon’s Dogma gut oder moderat aussieht, denn zwischen diesen beiden Wertungen schwankt es die ganze Zeit. Schön anzuschauen sind jedenfalls die vielen Monster, von Drachen, Gobblins, Greifen, Chimären bis hin zu Zyklopen gibt es nicht nur jede Menge Feinde, sondern diese wurden auch mit viel Liebe zum Detail entwickelt.
Beim Sound zeichnet sich ein klares Bild ab. Dragon’s Dogma ist kein Spiel der vielen Worte, zumindest nicht in dem Sinne. Während eure Vasallen fast pausenlos über alles in der Welt erzählen, ist euer Held still und stumm. Ein Nicken muss den Questgebern reichen. Zudem ist Dragon’s Dogma nichts für Sprachmuffel. Die englische Tonspur ist leider die einzige, nur deutsche Untertitel und eine deutsche Menüführung sind im Spiel enthalten. Ansonsten bleibt zu sagen, dass Effekte und Musik sehr gut in die Welt des Titels passen, ohne dabei aufdringlich zu wirken.
Fazit:
Dragon’s Dogma ist ein Spiel der Extreme. Eine so große Vielfalt an Möglichkeiten hat es lange nicht mehr gegeben. Euer Held und sein Vasall können bis ins kleine Detail angepasst werden, doch was für den einen wundervoll ist, kann für den nächsten schon die reinste Überflutung sein. Genre-Anfänger dürften mit Dragon’s Dogma zumindest anfänglich mehr als überfordert sein.
Grafisch fällt es schwer das Spiel zu bewerten. Wunderschöne Grafik macht solidem Einheitsbrei schnell den Platz frei, doch ist letzterer eher selten anzutreffen. Leider hat man es nicht mehr geschafft, Dragon’s Dogma zu lokalisieren, denn eine deutsche Sprachausgabe sucht man vergeblich. Abschließend bleibt zu sagen, dass Dragon’s Dogma kein Titel für zwischendurch ist – nicht nur für Genre-Anfänger. Rollenspiel-Liebhaber sollte sich Dragon’s Dogma keinesfalls entgehen lassen.
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