Die Cyanide Studios haben am 12. Juni das erste Video zur Erfolgreichen Buch- und TV-Serie Game of Thrones veröffentlicht. Die Erwartungen der Fans und Gamer sind entsprechend hoch, da sowohl das Buch als auch die Serie Autor George R. R. Martin zu großem Ruhm verholfen haben. Mit ‘Game of Thrones: Das Lied von Feuer und Eis’ will man nun PC und die Konsolen erobern. Ob dieses Unterfangen gelingt oder in einem billigen Lizenz-Titel endet, erfahrt ihr in unserem ausführlichen Test.
Viele Jahre sind verstrichen, seit Robert Baratheon den Thron von Targaryen bestiegen hat und somit einen langen, blutigen Krieg beendete. Aber auch jetzt zeigt sich das Frieden etwas Instabiles ist und leicht verloren gehen kann. Ganz gleich ob nach außen alles friedvoll wirkt, in den Sieben Königreichen ist selten etwas, wie es scheint.
Dies müssen auch zwei unterschiedliche Charaktere lernen. Einen hat es an die eisige Mauer hoch im Norden verschlagen. Dort schützt er die Sieben Königreiche vor den Wilden und ihren unmenschlichen Angriffen und Ritualen. Der andere, ein roter Priester in den freien Städten, der das Leben als Priester wählte, um seiner Vergangenheit zu entkommen.
Ein Todesfall im Hause Sarwyck soll das Leben beider für immer verändern. Konfrontiert mit dem Spiel um Throne und der Habgier vieler Adeliger finden sie sich bald in einer längst vergessen geglaubten Welt aus Intrigen und Machtspielchen wieder.
Zwei Helden im Kampf vereint
Mors Westford und Alester Sarwyck könnten unterschiedlicher nicht sein: Mors, ein gestandener Mann, an dessen Seite nur Platz für seinen treuen Spürhund ist und Alester, ein Priester R’hllos, der seine Familie vor 15 Jahren ohne ein Wort den Rücken kehrte und sich selbst ins Exil schickte.
Obgleich es sich scheinbar um zwei vollkommen verschiedene Charaktere handelt, ist es den Mannen, letztlich durch die Hilfe von George R.R. Martin gelungen, eine Geschichte zu erschaffen, die spannender nicht sein könnte. Doch bevor man in den Sog der Abenteuer von Mors und Alester gezogen wird, muss man einen etwas holprigen Start überstehen.
Deutlich spürt man, dass die Story von ‘Game of Thrones: Das Lied von Feuer und Eis’ von einem Buchautor verfasst wurde. Ein Start, der in Büchern nicht ungewöhnlich ist, wirkt in einem Videospiel etwas unbedarft. Man hat das Gefühl, ins kalte Wasser geworfen zu werden. In den ersten Stunden sucht man förmlich mit aller Kraft einen roten Faden, etwas das einem durch die Geschichte des Spiels führt und man wird ihn auch finden. Ist der sprichwörtliche rote Faden erst einmal gefunden, lässt einen die Geschichte nicht mehr los. Intrigen, Machtspiele, Morde, Verrat und natürlich Liebe. Dies sind Elemente der Geschichte, die man packender nicht hätte einbinden können. Zudem gelingt es Cyanide unter der Leitung von George R.R. Martin, die Geschichten beider Helden zu vereinen.
Die Abenteuer von Alester spielen anfangs ausschließlich in der Vergangenheit, während Mors sich in der Gegenwart mit seinen Feinden auseinandersetzen kann und muss. Letztlich schafft Game of Thrones etwas woran viele Spiele und auch Bücher gescheitert sind. Der Zusammenschluss beider Zeitlinien in der Gegenwart. Durch die Abenteuer beider Helden werden zu Beginn mehr Fragen aufgeworfen, als man beantworten kann. Erst im Laufe der Zeit gibt es Antworten, welche die eigene Neugier endlich stillen.
Lesen bildet
Bevor wir auf die Einzelheiten des Gameplays eingehen, muss ein Wort der „Warnung“ gesprochen werden. Jeder, der nicht gerne liest, sollte die Finger von Game of Thrones lassen. Man verbringt deutlich mehr Zeit mit Lesen als mit dem Abschlachten eurer Feinde.
Anders als bei anderen Titeln fühlt es sich nicht falsch an oder unnatürlich in die Länge gezogen. In den rund 25 Stunden Spielzeit erfährt man viele Einzelzeiten aus Game of Thrones, selbst die vorhandenen Sidequests passen stets ins Gesamtbild des Titels. Bevor man allerdings ins Spiel starten kann, gilt es für Alester und Mors eine Kampfklasse zu wählen. Mors stehen die folgenden Klassen zur Verfügung: Magna, ein Kampfstil mit zwei Waffen, Lehnsritter, der klassische Ritter mit Schwert und Schild und der freie Ritter, der zweihändige Waffen bevorzugt.
Alester stehen die folgenden Klassen zu Wahl: Wassertänzer, ein meisterhafter Schwertkämpfer, in Balance zwischen Kraft und Geschwindigkeit. Söldner, Meister der Tarnung und letztlich der Bogenschütze, der sich, wie der Name schon verrät, auf den Fernkampf spezialisiert hat.
Ist die Wahl endlich gefallen wird man auch schon ins Spielgeschehen geworfen – nachdem man die ersten Zeilen gelesen hat, versteht sich. Und beim Gameplay zeigt sich auch schon eine der großen Schwächen des Spiels.
Kampf oder Anweisung?
Game of Thrones Gameplay-Mechanik ist veraltet. Egal wie gut die Geschichte ist, das Gameplay ist es leider nicht. Mit den oberen Schultertasten wählt man zwischen verschiedenen Angriffen aus, die ihr mittels eines Wahlkreises aktivieren könnt. Jeweils drei Angriffsarten könnt ihr auswählen, zumindest falls dies eure Energie zulässt. Jede Angriffsart verbraucht Energie, die sich nur dann auflädt, wenn man mit dem Standardangriff auf die Gegner losgeht. Genre-typisch gibt es natürlich auch ein Inventar, dort können Rüstungen, Waffen und Tränke deponiert bzw. ausgewählt werden.
Abseits bekannter Rollenspielelemente gesellen sich des Öfteren Fehler im Spiel hinzu. So mussten wir während des Spielens an der einen oder anderen Stelle neu laden um voranzukommen, da es nicht möglich war das Questtagebuch zu öffnen. Wie eingangs erwähnt gibt es wahnsinnig viele Dialoge, die allesamt perfekt ins Spiel passen. Zeitgleich gaukelt uns Cyanide allerdings eine Freiheit vor, die es so nicht gibt. Während vieler Konversationen mit den verschiedensten Charakteren habt ihr oft die Wahl wie ihr antworten wollt. Letztlich führen euch eure Wege entweder in den Tod oder eine leicht andere Richtung der Geschichte. Obschon es Auswirkungen hat, wie man antwortet, ist man oftmals gezwungen eine Antwort zu wählen, weil sonst der sichere Tod auf euch wartet.
Interessant ist allerdings das Spielen mit Mors. Sein treuer Spürhund ist ebenfalls spielbar und bringt einen Hauch von Stealth ins Spiel. Mors Kampfhund ist in der Lage, sich leise an seine Feinde anzuschleichen und ihnen die Kehle durchzubeißen. Dies ist oftmals von entscheidender Bedeutung, wenn man unentdeckt bleiben oder nach und nach die feindlichen Linien ausdünnen will.
Das Gefühl ein Rollenspiel aus der heutigen Zeit zu spielen, kommt allerdings nicht auf. Alles am Gameplay scheint veraltet. Auch die Animationen der Charaktere während es Kampfes. Motioncapture-Verfahren wurden nicht angewendet, was man in jeder Szene deutlich sieht. Es hat ganz den Anschein, als spiele man einen Titel der letzten Generation.
Schön ist es nicht
Dies spiegelt sich leider auch bei der Grafik wieder. Matschige Texturen, altbackene Technik und wenig schöne Grafiken sind eure Dauerbegleiter. Hinzu kommen einige Ruckler, die vor allem dann losgetreten werden, wenn sich mehr als ein Feind auf dem Spielfeld befindet. Dennoch gelingt es dem Spiel, eine Atmosphäre aufzubauen, was letztlich auch auf die Story zurückzuführen ist. Vor allem mit Mors auf Patrouille an der Mauer spürt man eine mittelalterliche Atmosphäre. Allerdings ist es auch in Alesters Heimat Flusrath nicht anders. Gebäude, Menschen und Straßen wirken „dreckig“, ganz so wie man sich das dunkle Mittelalter vorstellt. Man muss Cyanide also positiv ankreiden, dass sie ihre eingesetzten Mittel zumindest in Szene setzen konnten.
Beim Sound stellt sich ein anderes Bild ein. Hier kann Game of Thrones zum Teil wieder punkten. Bekannte Stimmen aus Film und Fernsehen kann man in deutscher Sprachausgabe hören. Allerdings ist die Wahl der Sprecher etwas merkwürdig. Die Geschichte von Mors und Alester wird vom Sprecher aus Family Guy eingeleitet, was dem Ganzen einen sonderbaren „Charme“ verleiht. Die musikalische Untermalung indes passt zur fast schon perfekten Story des Titels. Diese sorgt für die richtige Stimmung und hilft dabei, eine Atmosphäre aufzubauen, obgleich die grafische Präsentation alles andere als aktuell ist.
Fazit:
Es ist alles andere als schön und das Gameplay scheint direkt aus der letzten Konsolengeneration zu stammen, wie so manchen Grafiken. Dennoch hat Games of Thrones etwas das vielen Spielen fehlt. Eine wirklich packende Geschichte. Es fällt regelrecht schwer, sobald man im Sog der Story ist, das Gamepad beiseite zu legen. Ständig möchte man wissen, wie es weiter geht, denn Games of Thrones ist nicht immer vorhersehbar.
Entweder wird man von Charakteren verraten oder etwas geschieht mit dem man in dieser Form nicht gerechnet hat. Ein Ende vorherzusagen ist quasi unmöglich. Das ist auch die größte Stärke des Spiels und dieser Punkt sollte jedem Games of Thrones-Fan genügen, um zum Händler seines Vertrauens zu eilen. Aber auch ein jeder, der nicht vertraut ist mit dem Spiel um Throne, wird zumindest storyseitig nicht enttäuscht. Technisch ist der Titel allerdings veraltet.
Gamesforpublic | Gamesforpublic.de – Immer einen Schritt voraus Videospiel News, Gewinnspiele, Achievements, Trophies und mehr





