Dienstag , Dezember 12 2017

Review – Alien Isolation – Ein Fest für jeden Alien-Fan?

„Im Weltraum hört dich niemand schreien“ – von wegen! Die versammelten Herrschaften, die dem Spieler in Alien Isolation ans Leder wollen, scheinen allesamt verdammt gut zu hören. Egal ob Schuss, verriegelnde Tür oder besagter Schrei. Alles könnte, gewollt oder ungewollt, Aufmerksamkeit erregen. Ob das Spiel selbst die Aufmerksamkeit, die es schon im Vorfeld genoss, auch wert ist, soll unser Test klären.

Das Alien Franchise selbst benötigt wohl kaum einer Vorstellung. Der Film aus dem Jahr 1979, seine Nachfolger und Crossover mit dem Predator, Spiele auf diversen lPattformen… Alien gehört längst zur Popkultur. Zuletzt durften wir Spieler in „Aliens: Colonial Marines“ in dieses Universum abtauchen. Wer sich an den Tauchgang von 2013 erinnert, fühlt vielleicht noch den faden Beigeschmack den der Titel hinterließ. Doch keine Sorge: Alien Isolation ist auch ohne Fokus auf dicke Wummen ein gänzlich anderes Kaliber!

[Spoiler – Die Zwei oder Drei Leute auf diesem Planeten, die Alien noch nicht gesehen haben, holen dies bitte JETZT nach und lesen erst dann diesen kleinen Spoiler]

Angesiedelt ist Alien Isolation 15 Jahre nach dem ersten Teil. Ihr schlüpft in die Rolle von Ellen Ripleys Tochter, Amanda, und versucht euch einen Reim auf das Verschwinden eurer Mutter zu machen. Als ihr die Möglichkeit bekommt, auf der Raumstation Sevastopol nähere Informationen in Form des geborgenen Flugschreibers der Nostromo einzuholen, macht ihr euch samt Begleitern auf den Weg. Dass auf der Station etwas schief ging bemerkt ihr sehr schnell, aber wer oder was dafür wohl die Verantwortung trägt…?

[Spoiler Ende – Seht ihr, das war es doch wert. Genialer Film, nicht wahr?]

Alien Isolation reitet auf der beliebten Horror-Survival-Welle. Hier zählt, anders als beim Samstag-Abend-Ausgehen, nicht das „Sehen und Gesehen werden“, sondern das genaue Gegenteil. Wer nichts sieht ist wohl sicher, wer nicht gesehen wird wahrscheinlich auch… oder?

Alien Isolation 2

Das hat uns gefallen

Alien Isolation lebt eindeutig von seiner Atmosphäre. Die grafische Umsetzung ist toll gelungen und wird vom Sound sogar noch übertrumpft!Die Architektur, wie sie einem in den Film auf Raumtransportern oder Stationen präsentiert wird, ist eindeutig wieder erkennbar. Gleiches gilt für die Geräuschkulisse. Das mulmige Gefühl im Bauch, wenn der Motion Tracker bei Bewegung ausschlägt? Das Zischen öffnender Türen oder Zugangsluken der Lüftungsschächte? Alien Isolation hat es im Gepäck – in bestechend guter Abmischung und Qualität.

Sich unter einem Bett oder in einem Schrank verstecken, während man hört, dass über und hinter einem das Alien durch die Schächte kriecht: Gänsehautgarantie.
Wer noch einen Grund gesucht hat sich eine Surround-Anlage anzuschaffen: Bitte sehr, hier ist er!

Ein weiterer großer Vorteil besteht darin, dass ihr für die gebotene Qualität keine übertrieben aktuelle Hardware braucht, im Gegenteil. Das Spiel ist sogar ziemlich genügsam und läuft auch auf leicht betagter Hardware erstaunlich flüssig. Danke, Sega!
Die Eingabe klappt mit Tastatur und Maus ebenso gut wie mit dem Xbox 360 Controller.

Bild und Ton unterstützen die allgemeine Bedrohung, die sich gegen den Spieler richtet und die nicht nur von vom Alien allein ausgeht. Der große Star hat noch einige Nebendarsteller im Ensemble, welche ebenso nach eurem Leben trachten. Ob Plünderer, die die Station durchstreifen oder die aggressiv agierenden Hiwis (Roboter)… Freunde finden sich auf Sevastopol wenige.

Anders als gegen das Alien, das sich im besten Fall kurz verjagen lässt, ist es möglich sich gegen die Hiwis und Menschen zur Wehr zu setzen oder sich ihrer ganz zu entledigen. Auch Flucht ist eine Option. Die Mittel dazu sind vielfältig und reichen vom Revolver, über Elektroschocker bis zum Flammenwerfer. Spaßiger aber auch gefährlicher ist der Einsatz des Aliens. Ob wir zum Beispiel die Plünderer dazu bringen auf uns zu feuern und durch den entstandenen Krach das Alien rufen, oder die Geräusche selbst verursachen (Möglichkeiten bestehen dank Crafting-System zur Genüge)… das Alien ist schnell zu Stelle und bringt Ruhe in die Szenerie. Natürlich begibt man sich als Spieler damit in ebenso direkte Gefahr.

Die allgegenwärtige Bedrohung ist es auch, die, wie im Genre üblich, das Vorgehen diktiert. Schön langsam und leise von Deckung zu Deckung gehuscht. Motion-Tracker und Umgebung im Auge behalten, beide Ohren auf die Umgebung einstellen und hoffen, dass man dieses Mal den Savepunkt erreicht.

Nein, Alien Isolation macht es euch mit seinem schwer einschätzbaren Hauptakteur nicht leicht. Das ist ja der Reiz dabei – und der hält mit etwa 15 Stunden auch ansprechend lang an (aktuelle und kommende DLCs nicht eingerechnet).

Alien Isolation 1

Das hat uns nicht gefallen

Wo Licht ist, ist auch viel Schatten… heißt es. Nur macht die Hauptakteurin des Spiels hier nicht mit, weigert sie sich doch beharrlich einen Schatten zu werfen. Leichte Leblosigkeit der anderen Figuren, flache Mimik und teils unmotiviert klingende deutsche Sprecher (auffällig vor allem in den Sequenzen). Schranktüren werden beim Verstecken so lautstark geschlossen, dass man sich fragt warum nicht die gesamte Station aufgeschreckt wird.
Alien Isolation birgt manchen Fehler, von den bisher genannten allerdings keiner das Spielvergnügen ernsthaft zu trüben vermag.

Das einzig wahre Problem, vor dass das Spiel mich stellte, war das Alien. Ausgerechnet der Dreh- und Angelpunkt bereitet Grund zur Diskussion. Man muss schlicht und ergreifend zugeben, dass die Handlungen des Aliens nicht immer nachvollziehbar waren. Alien Isolation lebt zu großen Teilen von der Ungewissheit des Spielers, ob er sich in Gefahr befindet und wo sie sich aufhält. Ob es klug ist zu warten (meistens) oder sprintend das Weite zu suchen (verdammt selten)… man weiß es nie mit Sicherheit.

Natürlich ist genau das der Reiz: Den Spieler zur Vorsicht zu zwingen und eiskalt abzustrafen, wenn er alte Shooter-Mentalitäten an den Tag legen will.
Aber: wenn ich mich in zwei so identisch wie möglichen Fällen im gleichen Schrank verstecke, beim ersten Mal überlebe weil das Alien desinteressiert daran vorbeischlendert, im zweiten mein Leben jedoch rigoros beendet – ohne dass ich mich einen Deut anders verhalten hätte, als im Anlauf davor – dann keimen Fragen auf.
Oder: das Alien betritt den Raum, in dessen Ecke ich mangels eines Versteckes kauere, blickt direkt über mich hinweg und verschwindet unverrichteter Dinge wieder. Dabei stand es keinen Meter von mir entfernt.

Spiele wie Dark Souls haben einen das Sterben wieder gelehrt. Doch konnte man dort den Fehler immer bei sich selbst suchen. Alien Isolation gibt mir das Gefühl, mir in mancher Situation keine Möglichkeit zu lassen die Situation zu meinen Gunsten zu beeinflussen. Dann heißt es: neu laden. Noch einmal und auf mehr Glück hoffen. Das ist etwas, das man als Spieler akzeptieren muss. Wer das nicht kann, wird sich das eine oder andere Mal wohl sehr schwer tun.

Fazit

Endlich wieder ein würdiger Titel im Alien-Universum der dem Geist der Vorlage treu bleibt und sehr viel Spaß macht. Technisch ist alles in absolut trockenen Tüchern, die Spielzeit ist für einen solchen Titel angenehm hoch. Das Gameplay funktioniert gut, verlangt aber nach einem strapazierfähigen Nervenkostüm. Vorsicht, Misstrauen und Frustresistenz sind wichtiger als ein schneller Abzugsfinger.

Wer dem Alien zugestehen kann, auch nicht-nachvollziehbar in der stärkeren Position zu sein, greift bedenkenlos zu. Alien Isolation gehört auf jeden Fall in meine persönlichen Top 5 des Jahres!

Review Übersicht

Grafik - 85%
Sound - 99%
Gameplay - 85%
Umfang - 86%

89%

Sehr Gut!

Angst, Dunkelheit, Enge, Tot - Alien Isolation. Einfach gut, einfach schaurig gut!

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