Donnerstag , Dezember 14 2017

Review – The Order: 1886 – Alles nur Show?

Lange haben wir auf Sonys The Order: 1886 warten müssen. Entwickler von Ready at Dawn sollte das Spiel der Kaufgrund für die PS4 werden. Wir haben uns The Order: 1886 genau angeschaut und wollen verraten, ob es tatsächlich das beste Spiel ist, was man derzeit für die PS4 kaufen kann.

Schwarzwasser – es heilt die stärksten Wunden, richtig eingesetzt kann es sogar fast schon Tote wieder ins Leben zurückholen. Die Welt weiß nicht um diese fast schon magische Flüssigkeit. Es waren Artus und seine Ritter der Tafelrunde, die seiner Zeit den Gral fanden. Ein Kelch mit Fähigkeiten, die unser Verstand nicht greifen kann. Menschen werden nicht nur gesund, sondern altern so sehr viel langsamer – und nur ein kleiner Schluck genügt, in Zeiten der Not.

Die Order – Ritter, die im Namen Artus das Empire schützen, vor allen Einflüssen und vor allem Übel, sind nun die Wächter des Schwarzwassers. Jeder Ritter, der es bei sich trägt hat einen Eid geleistet. Alles zutun um das Empire vor den Halbblütern zu schützen. Wesen die stärker und schneller sind als normale Menschen. Das gemeine Volk kennt sie als Werwölfe. Die Lykaner fressen sich am Fleische der Menschheit satt. Neben ihnen gibt es noch andere Wesen – wie beispielsweise Vampire. Ser Galahad, bereits vor Jahrhunderten zum Ritter geschlagen, es ist nun eure Aufgabe London von der Bedrohung zu befreien, die sie heimsucht. Fangt in Whitechapel an, dort gehen merkwürdige Morde vor sich – man nennt sie die Rippermorde. Zusammen mit eurem Team müsst ihr das Empire vor den dunklen Schatten schützen – die Order verlangt es so.

the order 1886 3

Das hat uns gefallen:

Schon vor der Veröffentlichung sagte man bei Ready at Dawn, dass man eine dichte Atmosphäre schaffen wolle, die das Setting ein- und umschließt. The Order: 1886 spielt in einer Cyberpunk Version eines viktorianischen Londons, in dem es bereits Funkgeräte und andere ausgefallene Geräte gibt. Sobald man die ersten Schritte in dieser Stadt gemacht hat, fühlt man sich direkt in diese Zeit versetzt.

Es ist eine Stadt voller Wunder und zeitgleich wirkt sie runtergekommen und trotzdem voller Potential. Die Charaktere, wie Ser Gallahad, fügen sich perfekt in dieses Bild ein und sorgen so für eben jene Atmosphäre, die man uns versprochen hat.

Grafisch lässt The Order: 1886 ordentlich die Muskeln spielen. Egal ob die Stadt selbst oder die Gesichter der verschiedenen Protagonisten – es sieht einfach wunderschön aus. Ready at Dawn hat sich zudem vieler stilistischer Mittel bedient – die den schmutzigen Look noch unterstützen sollen, was auch sehr gelungen ist.

Der Sound steht dem in fast nichts nach. Zwar gibt es nicht die Möglichkeit die englische Originaltonspur zu wählen, doch machen die deutschen Sprecher fast alle samt einen guten Job. Musikalisch gibt es allerdings nichts zu meckern. Die Atmosphäre wird durch den Einsatz von Musik und Geräuschen nur gestärkt.

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Das hat uns nicht gefallen:

Leider ist The Order: 1886 nicht der erhoffte Traumtitel. Warum? Fangen wir noch einmal bei der Grafik an. Obwohl sie wirklich wunderschön anzuschauen ist, gibt es auch fragwürdige Entscheidungen. Der Gebrauch der sogenannten „Shaky Cam“ passt einfach nicht ins Bild. Die Sequenzen, von denen es reichlich viele gibt, wirken dadurch viel zu unruhig und nervös – zumal The Order: 1886 das mit einer derartigen Grafik nicht nötig hätte. Das ist aber noch nicht genug. The Order: 1886 wirkt ständig verwaschen, was ebenfalls ein stilistisches Mittel sein soll, dem Spiel aber kein Gefallen tut – da man ständig denkt, das einem die eigenen Augen einen Streich spielen – verdammte Augen, ihr!

Leider war es das noch nicht. Neben einer, nennen wir es sehr moderaten, Spielzeit von rund fünf bis acht Stunden, fällt vor allem das Gameplay negativ auf. The Order: 1886 hat sich den einfachsten Mechaniken bedient und es geschafft sie irgendwie langweilig zu machen. Sobald man das erste Mal selbst voll ins Spiel eingreifen kann, bedarf es einiger Zeit um sich an die Bewegungen zu gewöhnen. Sie wirken steif und reicht beschränkt – obwohl dies nicht der Fall ist.

Schlimmer noch ist nur die gegnerische KI. Feinde verhalten sich einfach nur unglaublich dumm. Schema F bis der Arzt bzw. die Kugel kommt. Egal ob Mensch oder Halbblüter. Menschliche Feinde werfen sich einfach in den Kugelhagel, Welle nach Welle. Das macht The Order: 1886 „schwer“ an einigen Stellen. Man segnet nicht das Zeitliche, weil man nicht „gut genug“ war, sondern einfach ob der ewigen Gegenerwellen, die alles nach vorne werfen was sie haben. Halbblüter verhalten sich in der Tat noch dümmer. Zwar sind sie deutlich stärker als normale Feinde doch greifen sie immer gleich an. Ein Ansturm, gefolgt von einer Bissattacke und der sofortige Rückzug, nur um dann aus der exakt selben Richtung erneut anzugreifen – nur selten wagen sie mal einen Richtungswechsel.

Die Story ist der letzte große Punkt auf der Liste, der wenig schönen Dinge. Zwar ist sie deutlich interessanter als viele andere Titel, doch bleiben am Ende fast mehr Fragen als zu Beginn des Spiels. Was genau ist das Schwarzwasser? Wer ist dieser eine Typ überhaupt? (aus Gründen von Spoilern gehen wir nicht genauer darauf ein) Was wurde aus unseren Freunden? Wer ist der eigentliche Drahtzieher? Welche Ziele hat er wirklich? Was erwartet Amerika? All diese und noch viele weitere Fragen werden einfach nicht beantwortet. Es deutet alles darauf hin, dass sich Ready at Dawn einfach noch genügend Stoff für einen Nachfolger offenlassen wollte.

Fazit:

Sieht man The Order: 1886 bleibt ein Vergleich nicht aus: Ryse: Son of Rome für die Xbox One. Nicht von der Geschichte oder dem Stil, sondern von der Art der Entwicklung. Beide Spiele brillieren in puncto Grafik, sind spielerisch gerade noch Mittelmaß. Beide Titel lassen die Vermutung aufkommen, dass man einfach zeigen wollte, was die Konsole der Wahl kann.

The Order: 1886 verschenkt Potential an fast jeder Ecke. Die Story hätte ausgereifter sein müssen und sollte auch Fragen beantworten, statt nur neue zu stellen. Das Gameplay hätte nicht so stiefmütterlich behandelt werden dürfen, sondern hätte ein Stützpfeiler des Spiels sein sollen. Allerdings hat sich Ready at Dawn wohl nur auf zwei Dinge konzentriert: Grafik und Atmosphäre. Diese beiden Punkte sind schön anzusehen, doch machen sie noch lange kein gutes Spiel. Falls es einen zweiten Teil geben wird, bedarf es einiger grundlegender Verbesserungen.

Wir raten euch lieber erst einmal zu einer Proberunde mit The Order: 1886, statt gleich das hart verdiente Geld zu investieren. The Order: 1886 ist das derzeit schönste Spiel auf der PS4, doch leider nicht das beste.

Wertung

Grafik - 96%
Sound - 87%
Umfang - 68%
Gameplay - 61%

78%

The Order: 1886 steckt voller Potential, dass leider einfach nicht genutzt wurde.

User Rating: 3.02 ( 3 votes)

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