Samstag , November 18 2017

Review: Unravel – Story am laufenden Band

Oh, das kam überraschend. Erste Impressionen ohne Informationen von Unravel ließen mich ein actiongeladenes Jump ’n Run mit schicker Grafik erwarten – immerhin letztes trifft zu. Doch statt erwarteter Controllerakrobatik und lautem Getöse, liefert Unravel ein Erlebnis, das sich wie eine Mischung aus den besten Seiten eines „Limbo“ oder „Trine“ anfühlt. Schön, sich so zu irren.

Im Spiel übernehmen wir die Kontrolle über „Yarny“, das rote Wollknäuel-Etwas, das wir durch verschiedene Level lotsen um nach und nach die Geschichte einer alten Dame zu… entwirren. Im Einführungsvideo lernen wir eben diese Dame kennen, die auf uns einen traurigen und einsamen Eindruck macht. Was wohl dazu geführt hat?

Der Spielbeginn macht uns neugierig  und wir wollen wissen, was sie in die traurige Stimmung versetzt, mit der sie außer Sicht und wir, in der Form Yarnys in den Mittelpunkt treten.

Ob der optische Schein trügt oder sich der gute erste Eindruck wie ein Roter Faden (…) durch das Spiel zieht, schauen wir uns mit der nötigen Ruhe an.

unravel 2

Das hat uns gefallen 

Wie zuerst erwähnt und für jeden offensichtlich, sieht Unravel sehr, sehr gut aus. Die für ein Jump ’n Run übliche Perspektive zeigt einladende Umgebungen, durch die wir uns geschmeidig animiert bewegen. Ob Wald, Strand samt brausender Wellen, Moor, Sumpf oder Gartenhaus – die Level wissen jederzeit zu gefallen. Mit Details und unzähligen Animationen samt passenden Effekten gespickt und sehr lebendig wirkend, laden sie immer wieder zum Schauen und manchmal Staunen ein. Die ruhige Musik und ein kompletter Verzicht auf Sprachausgabe tun ihr übriges, eine ruhige und teils melancholische Stimmung aufzubauen wie es schon das Intro-Video schaffte.

Durch die Level bewegen wir uns dem Genre üblich laufend, springend, kletternd frei… und doch limitiert – und zwar durch die Länge unseres Garns. Wir als Wollknäuel wickeln uns schließlich beim bewegen auf. So ist unser nächstes Ziel immer das Auffinden von mehr Wolle, um das Weiterkommen zu ermöglichen. Ein netter Kniff, gerade wenn man Zentimeter vor dem Nötigen Bündel an Garn steht, es aber nicht erreichen kann, da man einen zu langen Weg gewählt und seine zurücklegbare Entfernung so eingeschränkt hat,. Also heißt es zurück und optimieren. Nie viel, immer nur ein Hüpfeinladen zurück, aber genug um einen die eigenen Fehler klar zu machen und nicht zu häufig, um zu nerven.

Großes Ziel am Ende eines jeden Levels, ist das Auffinden der Erinnerung, für das es selbst steht. Durch diese Bilder und Notizen im Tagebuch entwirren wir nach und nach die Lebensgeschichte der alten Dame, die wir anfangs sahen. Schön ist, dass einem Unravel diese nicht mit dem Holzhammer präsentiert, sondern viel der Interpretation und eigenen Perspektive überlassen wird. Dass auch ernste Themen angesprochen werden und manches Level oder Yarnys (Re)Aktionen darin ernste Töne anschlagen können, erstaunt positiv.

Mehr sollten und wollen wir zu Hintergrund der Geschichte nicht verraten, da sie es wert ist, von jedem selbst entdeckt und natürlich auch interpretiert zu werden.

Noch ein paar Worte zur Spielmechanik: Unravel setzt auf ein stark Physik-basiertes Gameplay, gerade was die Knobeleinlagen angeht. Schwingen, Gegenstände ziehen oder umwerfen… alles in Verbindung mit unserem sich abwickelnden Faden. Die gute Steuerung macht diese Passagen leicht zu meistern.

Eingängiges und schnell erlernbares Gameplay in abwechslungsreichen Levels, die eine überraschend erwachsene Geschichte erzählen – toll! 

 unravel 1

Das hat uns nicht gefallen

Mögen die Hüpf- und Kopfnuss-Einlagen am Anfang noch motivieren und so manche Kopfnuss bieten, ermüden diese doch irgendwann, da sie sich gern wiederholen. So ertappt man sich bald dabei, sehr mechanisch bekannte Elemente abzuarbeiten. Immerhin lenken diese unglaublich schicken Level gekonnt davon ab und man verzeiht Unravel diese Wiederholungen gern.

Mit etwa 7 bis 9 Stunden Spielzeit – wer gern und viel staunt addiert noch etwas dazu – ist der Titel nicht allzu lang geworden und bietet keinen nennenswerten Wiederspielwert. Nur wer es unbedingt darauf anlegt, in den Levels versteckte Knöpfe zu finden, taucht vielleicht erneut kurz in die bildhübschen Levelwelten ein.

Fazit

Wie Auch Limbo liefert Unravel ein Spielerlebnis, hinter der mehr steckt als nur gutes Artdesign oder tolle Grafik. Wenn die Mechanik beim Spielen komplett in den Hintergrund tritt und man sich ganz auf die Welt und die Eindrücke, die sie hinterlässt, fixiert, ist das eine erstaunliche Errungenschaft. Erst Recht für etwas „so simples“ wie 2D-Plattformer. Man wird sich daran erinnern, auch wenn die Reise gern hätte länger ausfallen dürfen.

Check Also

The Sinking City – Städtebau leichtgemacht

Derzeit entwickelt Frogwares, die vor allem für ihre Sherlock Homes-Spiele bekannt sind, einen neuen Titel …