Die Spec Ops-Reihe ist keine neue Erfindung. Vor „langer“ Zeit war sie einer dieser 0815-Shooter, die man gerne einfach übersehen hat. Jetzt hat sich Yager im Auftrag von 2K Games der Serie angenommen und sie von Grund auf geändert. Ob das letztliche Resultat ein sehenswerter Shooter geworden ist oder wieder in die eingangs erwähnte Kategorie gehört, wird dieser Test offenbaren.
Dubai – die Vorzeigemetropole der Vereinigten Arabischen Emirate – so kennen wir heutzutage die Stadt. Unglaubliche Gebäude und Strände sind längst das neue Wahrzeichen Dubais geworden. In der Welt von Spec Ops: The Line ist es jedoch nicht mehr das Juwel der Arabischen Emirate.
Eine Serie der schlimmsten Sandstürme seit Aufzeichnung durch die Menschheit hat Dubai fast gänzlich verwüstet. Die Wüste nimmt sich ihren Platz zurück. Wahrlich kein Ort für den nächsten Urlaub, doch Dubai bietet noch mehr. Colonel John Konrad ist mit dem 33. Battalion gerade auf den Weg heimwärts frisch aus Afghanistan. Anstatt seinem wohlverdienten Urlaub entgegen zu gehen, macht er einen Zwischenstopp in Dubai, um dort Flüchtlinge zu evakuieren. Doch während der Rettungsaktion tobt plötzlich ein gewaltiger Sandsturm und lässt die Verbindung zu Konrad abbrechen.
In der Rolle von Captain Martin Walker und seinen Begleitern Sergeant Lugo und Lieutenant Adams machen wir uns auf, Konrad und sein Team zu retten. Was wir allerdings vorfinden ist noch schrecklicher als der schlimmste Sandsturm. Gewalt wohin das Auge blickt. Tote wohin das Auge blickt, schrecklich zugerichtet und das soll erst die Spitze des Eisberges sein.
So schrecklich kann Krieg sein
Die Geschichte von Spec Ops: The Line hat es wirklich in sich und ist durchweg spannend. Basierend auf dem Roman „Heart of Darkness“ von Autor Joseph Conrad führt uns Entwickler Yager durch die verschiedenen Abgründe der menschlichen Qualen. Frauen, Kinder und Soldaten werden auf grausamste Art und Weise zugerichtet. Yager ist dabei nicht in einen Blutrausch verfallen, sondern das Studio wollte auf die Grausamkeit der Menschen aufmerksam machen.
Diesen Aspekt der Erzählung findet man fast überall wieder. Abgetrennte Gliedmaßen und stöhnende fast schon tote Soldaten, die im Dreck die letzten Kräfte mobilisieren, um noch in Deckung zu robben. In diesem fast schön düstere Szenario spielen noch zwei weitere Dinge eine große Rolle. Moral und, wie sollte es anders sein, Sand. So zwingt euch Yager oft zu Entscheidungen, die sich auf das Spiel und sogar das Ende auswirken. Wer wird erschossen und wer darf leben, die Entscheidung liegt bei euch. Damit man die Geschichte rund um Walker und seine Begleiter sowie die Ereignisse selbst richtig zu verstehen, muss Spec Ops: The Line durchgespielt werden. Je weiter man in den Abschnitten voran kommt desto spannender und tiefer wird die Story.
Sand wiederum ist nicht nur der Feind aller Lebewesen in Dubai, sondern kann euch sogar im Kampf gegen eure Gegner helfen. Gezielte Schüsse auf Fenster oder Glasscheiben rauben euren Feinden entweder den Boden unter den Füssen oder sorgen dafür, dass eine große Sandflut über sie hinwegfegt.
Mit und gegen den Sand
Befassen wir uns etwas genauer mit dem Gameplay. Spec Ops: The Line ist ein 3rd-Person Shooter und bietet fast alle gängigen Elemente des Genres. Deckung, aus der Deckung feuern und kleine Anweisungen geben. Leider gibt es aber auch Schattenseiten, die wir hier ansprechen müssen und wollen.
Zum einen fühlt sich das Deckungssystem noch nicht ganz „fertig“ an. Um von einer Deckung zur nächsten zu gelangen, sollte man den A- bzw. X-Button drücken, doch funktioniert dies nicht so reibungslos wie beispielsweise in Ghost Recon: Future Soldier. Oftmals sieht man Captain Walker dabei zu wie er sich, obwohl man scheinbar alles richtig gedrückt hat, einfach erhebt und vor der Deckung stehen bleibt, anstatt den Kopf einzuziehen und loszulaufen. In einem Shooter, wo wenige Schüsse schon reichen, um euch oder eure Feinde ins Jenseits zu befördern, ist dies alles andere als hilfreich.
Lugo und Adams sind nicht nur eure Teamkameraden, sondern wir können ihnen auch Anweisungen erteilen. Leider nicht in einem taktischen Maße, wie man es gerne hätte. So kann man nur ein Ziel auswählen, dass die beiden dann zu gegebener Zeit anvisieren und ausschalten. Ansonsten agieren die beiden Helfer jedoch relativ eigenständig und liefern einen guten Job ab. Ohne Munition hilft jedoch die beste Taktik nicht.
Die Wüste ist ein leerer Ort, was man vor allem immer dann merkt, wenn die Munition zu Neige geht. Walker und seine Männer stoßen nur selten, wirklich sehr selten auf Munitionsvorkommen. Da bleibt euch meist nur eines: Nehmt die Waffen, die eure Feinde fallen lassen. Dabei stoßt ihr auf eine Vielzahl von Schießeisen. Von kleinen Handfeuerwaffen bis zu einer Panzerfaust ist fast alles vertreten. Waffen bearbeiten oder mit anderen Goodies ausrüsten ist in Spec Ops: The Line leider nicht möglich.
Zudem verspürt man, obgleich die Level bzw. Kapitel sehr abwechslungsreich sind, oftmals das Gefühl an die Hand genommen zu werden. Denn es gibt meist nur einen Weg ans Ziel, abgesehen von moralischen Entscheidungen. Wirklich störend ist es allerdings nicht, da Spec Ops The Line mehr als genügend Action bietet, um euch einige Stunden zu unterhalten. Was den Shooter aus dem Hause Yager vor allem auszeichnet, ist der hohe Wiederspielwert. Diese Tatsache beruht unter anderem auf den zu fällenden Entscheidungen, die man während des Spiels treffen muss. Es macht einfach neugierig zu erfahren, welche Ereignisse man verpasst haben könnte.
Wenn die Unreal Engine 3 glänzt
Spec Ops: The Line basiert auf Epics Unreal Engine 3 und ist teils wunderschön. Sobald man einen Blick auf die Dünen von Dubai wirft oder die Skyline der Stadt sieht, hält man kurz inne und genießt diese wunderschöne Aussicht. Auch die Gesichter sind gut animiert und zeigen deutlich die Veränderung der Charaktere, die durch eine sandige Hölle laufen müssen. Walker und seine Gefährten werden ordentlich durch die Mangel genommen, was man deutlich sieht. Bis auf einige matschige Texturen ist das Spiel wirklich eine Augenweide und bietet trotz der Sandmassen viel Abwechslung.
Anders sieht es da schon bei der deutschen Synchronisation aus. Diese sorgt nicht nur für fehlende unschöne Lippenbewegungen, sondern mindert zum Teil die Atmosphäre. Glücklicherweise hat Yager auch die englische Tonspur auf die Disk gepackt, was ein kleiner Quantensprung für die Atmosphäre bedeutet. Unter anderen kann man dann Nolan North, bekannt aus Assassin’s Creed und Uncharted, dabei zuhören, wie er sich durch Dubai quält. Die Musik und die Effekte passen dann wieder perfekt ins stimmige Gesamtbild und sorgen dafür, dass die Stimmung zum Teil merkwürdige Züge annimmt. Fast schon fröhliche Rockmusik erklingt, während man sich seiner Haut erwehren muss. Damit hat man nicht etwa einen Fehlgriff gemacht, sondern wollte ein gewisses Flair erzeugen.
Fazit:
Yager hat nicht alles richtig gemacht und doch besser als viele angenommen haben. Es gibt noch einige Schwachstellen wie beispielsweise das Deckungssystem oder die deutsche Synchronisation. Nimmt man sich zukünftig diesen Kritikpunkten an, ist damit zu rechnen, dass man viele großartige Spiele von Yager sehen wird.
Spec Ops: The Line muss sich vor keinem 3rd-Person Shooter verstecken. Eine teils beklemmende Atmosphäre zeigt wie grausam die Menschheit sein kann. Dennoch müssen wir hier noch eine „Warnung“ an alle Eltern aussprechen. Der hohe Brutalitätsgrad des Spiels ist nichts für Jugendliche unter 18 Jahren. Spec Ops: The Line ist klar ein Spiel für erwachsene Gamer und ist mehr als nur ein Lückenfülle für das Sommerloch 2012. Eine Kaufempfehlung unsererseits ist hiermit ausgesprochen!
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| “…ein wunderschöner Shooter” |
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