Dienstag , Dezember 12 2017

TEST: Black Mirror – Spieglein, Spielein an der Wand

Black Mirror. Der Name sollte Erinnerungen wachrufen, zumindest wenn einem das Adventure Genre nicht fremd. 2004 startete eine dreiteilige Spielserie mit gleichem Namen, die die Geschichte eines Familienfluchs erzählte, die der männliche Protagonist David Gordon zu enthüllen versuchte.

Das jetzt vorliegende Spiel setzt alles dort erlebte zurück und fängt unter geänderten Voraussetzungen von vorn an. Neue Zeit, neuer „Held“, neue Story… und sogar ein wenig neues Genre. Während die Ur-Trilogie noch als reines Point & Click Adventure konzipiert war, kommt der Reboot im 3D-Gewand samt justierbarer Kamera daher.

Manche Geschichten sind einfach zu gut, um sie nicht erneut oder gar weiter zu erzählen. Ob das auch für Black Mirror gilt? Das Ganze eher Reboot oder Rückschritt ist? Der Test findet es heraus.

Das hat uns gefallen

Bereits der Anfang von Black Mirror macht einem klar, in welche Richtung es geht. Man erlebt als Spielerperspektive den Tod des Vaters der Hauptfigur, begegnet scheinbaren Geistern und erfährt von erschreckenden Visionen… all das im Zusammenhang mit dem schottischen Schloss der Familie: Black Mirror Castle. Da dies alles atmosphärisch sehr ansprechend erzählt wird, ist der erste Eindruck vor allem ein technisch guter. Die 1920er Jahre, in denen der Titel spielt, werden überzeugend präsentiert und die unheimliche Stimmung, das dräuende Unheil, wird gut vermittelt. Grafisch wird vor allem viel Dunkles geboten. Nächtliche Ausflüge, nur ausgestattet mit Öllampe oder simpler Kerze, leben vom unheimlichen Licht und Schattenspiel. Doch weiß das Spiel auch sonst optisch weitestgehend zu überzeugen.

Zur Stimmung trägt natürlich die Akustik ihren Teil bei. Nicht nur wurden alle Protagonisten (deren Anzahl doch durchaus überschaubar ist) komplett vertont, auch liefern deren Sprecher einen guten Job ab – was natürlich auch den gut geschriebenen Dialogzeilen zu verdanken ist. Zwar wirkt mancher Satz überbetont und vielleicht etwas gestelzt, doch erscheint dies in er allgemeinen Stimmung des Spiels nicht unbedingt falsch. Dazu passen auch die einzigartig eigenartigen Charaktere, mit denen es David im Verlauf zu tun bekommt. Einen drauf setzt die Musik, die sehr große Anteile an der vermittelten, unheimlichen Stimmung hat, von der Black Mirror lebt.

So kombiniert und rätselt es sich durch eine weitestgehend spannende Geschichte, die am besten per Gamepad erspielt wird. Zwar bietet sich auf dem PC auch die Möglichkeit der Maus- und Tastatureingabe, doch ist das nicht das Gelbe vom Ei. Was uns auch schon zum nächsten Abschnitt bringt.

Das hat uns nicht gefallen

Die Steuerung. Egal ob man oben erwähnte Maus und Tastatur wählt oder zum Gamepad greift: eine Weile wird man mit der Eingabe zu kämpfen haben. Manchmal navigieren wir David Gordon durch die Gemäuer Black Mirrors wie einen Betrunkenen wenn wir die Kamera nachjustieren um mehr Interessantes ins Sichtfeld zu bekommen. Als Dank bleibt man dann an einem Blumenkübel oder sonst einem Einrichtungsgegenstand hängen. Allgemein ist die Steuerung nicht ganz intuitiv. Im Verlauf des Abenteuers bekommt man diese jedoch gebändigt.

Störender wirken da die Ladezeiten beim Raumwechsel. Nicht, dass diese außerordentlich lang ausfallen, doch kommen sie sehr häufig und werden einem sehr bald lästig. Mal schnell von der Bibliothek zur Küche zu Laufen ist nicht ohne zwei Ladepausen zu machen, auch wenn man dabei unter anderem nur einen leeren Flur durchquert, der keinerlei Spielelemente enthält. Wie erwähnt: Lästig.

In die gleiche „Das hätte man schöner lösen können“ Sparte fallen die Quicktime Events, die das Spiel einem manchmal absolvieren lässt. Diese sind so anspruchslos, dass man sie gleich hätte weglassen können. Hier wäre eine geschickte Cutscene oder ähnliches hilfreicher gewesen. Allgemein hält sich der Anspruch, und somit auch das Rätseldesign, relativ zurück. Kopfnüsse zu knacken gilt es selten, und wenn, dann ist die Lösung dennoch schnell gefunden. Auch, da man durch simples Ausprobieren oder „alle Hotspots ablaufen“ weiterkommt. Apropos Hotspots: Allgemein hätte es von denen gern mehr geben dürfen. Simpel und einfach, um die Spielwelt mit Leben zu füllen und vielleicht noch mehr über das Schloss, seine Bewohner und den Fluch zu erfahren. Mehr Kopfkino für den Spieler hätte einiges bringen können, gerade in so einem Titel. Dies wirkt umso schwerer, da man an verhältnismäßig weniger Schauplätzen agiert. So wirkt das Schloss recht bald leer… und leblos.

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Fazit

Fans der Vorgänger und Liebhaber gruseliger Stimmung sowie Andeutungen eines größerem Bösen, machen hier sicher nicht viel falsch. Black Mirror hat seine Momente und kann in diesen auch sehr tolle Stimmung aufbauen und eine Geschichte erzählen, die die (Spiel)Zeit wert ist. Leider sind diese Augenblicke gesamt betrachtet selten… ob zu selten kann Geschmackssache sein. Wir hätten uns jedoch ein wenig mehr Substanz gewünscht, um dauerhaft gefesselt zu sein. Für Neulinge dieser Art Spiel kann eine Anschaffung auch sehr gut in Betracht gezogen werden, da der Schwierigkeitsgrad sehr überschaubar ausfällt – Profis hingegen fühlen sich unterfordert.

Wertung

Grafik - 80%
Sound - 80%
Gameplay - 55%
Umfang - 65%

70%

Wer das Gruselgenre vor allem wegen der bedrückenden Atmosphäre, der Andeutung aufkommenden Unheils und dem Ungewissen mag, kann einen (Kurz)Urlaub in Black Mirror Castle buchen. Anspruchsvolle Rätselprofis gucken in die Röhre.

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