Mittwoch , August 23 2017

TEST: Endless Space 2 – Ja ist denn schon wieder Winter?

… oder wie soll man ruhigen Gewissens so ein Weltraum-Strategie-Biest „für eine paar Runden“am Abend starten um sich dann, erneut, viel zu spät in der „das versuche ich aber noch!“-Spirale zu befinden. Eigentlich ist es ja die kalte Jahreszeit, die einen an diese komplexen Spiele lockt, die so viel Einarbeitungszeit und Geduld fordern, und nicht die warmen Frühlings- und Sommerabende, die man mit Freunden bei einem kühlen Getränk auf der Terrasse der Lieblingsbar verbringen wollte.

Nun, wo Endless Space 2 (ES2) aber da ist und um Aufmerksamkeit buhlt, können wir auch den einen oder anderen Abend mit Kollegen verschieben. Statt kühler Drinks ist bei Endless Space 2 der kühle Kopf ohnehin viel wichtiger. Diesen, sowie den Überblick über die Fülle an Möglichkeiten, zu bewahren, ist in ES2 eine nicht zu unterschätzende Aufgabe.

Also, vertrösten wir Freunde auf einen anderen Abend, bevorraten wir uns mit kaltem Trinken für die nächsten Stunden und schauen wir mal, ob ES2 uns neben Kopfzerbrechen auch Spielspaß bringt.

Das hat uns gefallen

Aller Anfang ist … konfus. Die Fülle an Informationen – dargeboten durch eine Vielzahl an Textfenstern, Grafiken und Skalen – ist recht einschüchternd wenn man nicht weiß, was man daraus deuten soll. Kenner des Vorgängers kommen besser zurecht, erkennen z.B. die für den Entwickler Amplitude Studios typischen Ressourcen Symbole gleich wieder (diese kamen ebenfalls In Endless Legend und Endless Dungeon zum Einsatz). Auch die Sternenkarte, die Systemansicht und weitere Bildschirme dürften Veteranen vertraut vorkommen. Dennoch gibt es selbst für jene mehr als genug Neues um die eine oder andere Nachhilfestunde einzulegen. Damit beim ersten Anschnuppern nichts verloren geht bietet das Spiel ein Tutorial an, das zumindest die elementarsten Grundregeln erklärt. Links und rechts des Weges bleiben aber genug Fragen bzw. Möglichkeiten offen, die den einen oder anderen tieferen Blick benötigen.

Die meisten Informationen findet man zwar über eher zweckmäßige Infofenster, doch überwiegt im Großen und Ganzen die gute Präsentation des gesamten Titels. Wenn man weiß wo man suchen muss, findet man immer die gesuchten Informationen und somit auch die Stellschrauben das eigene Imperium zu optimieren. Dies ist auch der Grund warum wir diesen Punkt als positiv einstufen: Das Maß an Komplexität ist für dieses Genre absolut notwendig und die Art, wie diese dem Spieler nahegebracht wird wirkt sich positiv auf die Spielerfahrung aus. Dass es dabei auch noch fast immer so hübsch präsentiert wird, spricht ebenfalls nur für ES2.

Apropos hübsch präsentiert: Als kleines optisches Highlight stellten sich die Intro-Videos entdeckter Systeme heraus. Bereits eine kurze Kamerafahrt um den Planeten und die wichtigsten Informationen dazu reichen aus, um Interesse zu wecken – oder aufkommende Besitzansprüche.

Acht vordefinierte Rassen (mehr lassen sich nach eigenem Gusto erstellen) streiten sich um die Vorherrschaft in den anpassbaren Galaxien. Mit wie vielen davon gleichzeitig ihr euch balgt, nach welchen Regeln der Sieger gekürt wird und ob es sich dabei um von der KI oder anderen Spielern gesteuerte Völker handelt, überlässt ES2 genretypisch euch. Aktuell(!) ist dies mit Einschränkungen verbunden – siehe weiter unten.

Stück für Stück, wenn eure Zivilisation mehr und mehr Planeten und Systeme entdeckt, besitzt, bevölkert und dominiert, werden auch Aspekte wie Diplomatie, Forschung, das Militär und die Politik wichtiger. ES2 bietet auch hier eine anfangs unfassbar breite Palette an Möglichkeiten. Das Forschungsinterface verlangt so manche gut überlegte Entscheidung und beeinflusst mit dem gewählten Weg das gesamte Herangehen. Dass jedes Volk teilweise komplett andere Spielweisen nötig und vielleicht bereits angewöhnte Strategien unmöglich machen, gehört auch hier zum Programm. Dazu addieren sich noch Staats- und Regierungsformen,  Zufallsereignisse, Piraten, Helden, Wahlen und Gesetze und …  ach, Komplexität kann so … komplex sein.

Das hat uns nicht gefallen

Ein wenig ins Hintertreffen gerät der militärische Aspekt in ES2. Zwar bietet die Forschung die gleiche Fülle und Tiefe wie jeder andere Aspekt, auch ist das Festlegen der Designs und Ausrüstung sehr gut integriert, doch fällt der eigentliche Zweck der Sache dann doch etwas ab: Der eigentliche Kampf. Wie bereits im Vorgänger seid ihr im Kampfgeschehen eher Zaungast (der immerhin das Tempo der ablaufenden Sequenz bestimmen darf), doch  habt ihr alle Entscheidungen bereits vorher getroffen. Zusammenstellung und Ausstattung der Flotte(n) ist längst anderswo erledigt. So bleibt euch vor Kampfbeginn nicht mehr als das Festlegen einer Taktik aus einem überschaubaren Kartendeck. Mehr als passiv zuschauen bleibt euch danach nicht – außer dem kompletten Überspringen der ganzen Chose. Ein wenig mehr (Re)Aktionsmöglichkeit wäre hier wünschenswert gewesen.

Wer nach intensiver Einarbeitung und genug siegen über die KI auf die Idee kommt, die eingangs erwähnten, sitzen gelassenen Freunde einzuladen um diesen im gemeinsamen Spiel die eigene Herrschaft klar zu machen, wird aktuell nicht glücklich. Die Mehrspielerpartien laufen zum aktuellen Zeitpunkt technisch noch sehr unausgegoren. Synchronisationsfehler und abbrechende Verbindungen ersticken jeden potenziellen Multiplayer-Spielspaß schnell im Keim. Enttäuscht kommt da ein kühles Blondes im Biergarten um die Ecke wohl ganz recht – bis zum sicher erscheinenden Patch.

Seid ihr spielerisch allein unterwegs, wird euch früher oder später – je nach Potenz der eigenen Hardware – doch das gleiche Schicksal ereilen: ES2 stößt an seine technischen Grenzen. Je weiter sich die Galaxie entwickelt, desto schwerer wird euer Rechenknecht schuften müssen. Zunehmende Lade- und Rundenzeiten bringen dann, mit fortlaufender Dauer, (ein wenig) Zähigkeit ins Spiel. Bis sich diese Situation (durch anzunehmende Patches) bessert, sollte man es mit (KI) Mitspielern nicht übertreiben und eventuell, bei eigens erstellten Karten, bei der Größe und Dichte der Galaxie im technisch stemmbaren Rahmen bleiben. Ausprobieren hilft.

Ebenfalls hat sich der eine oder andere Übersetzungsfehler bzw. ganz fehlende deutsche Bildschirmtext eingeschlichen. Eine schnell behobene Kleinigkeit, nur am Rande erwähnt.

Fazit

Endless Space 2 als nächsten Stern am Weltraum-Strategiehimmel zu bezeichnen wäre doch etwas klischeehaft. Oder als Einleitungs-freudiges heißes Eisen. Dennoch passt beides wie die Faust aufs Alienauge. ES2 nimmt sich die besten Versatzstücke seiner eigenen Wurzeln, mischt es mit Merkmalen der Konkurrenz und kocht sich so ein (heißes) Süppchen aus Spielspaß-Komplexität.

Wer gewillt ist sich auf die nicht immer leichte Reise durch das anpassbare Universum zu begeben, wird mit einer Menge toller Stunden belohnt. Perfekt ist Endless Space 2 ebenso wenig wie jeder andere Titel, technisch ist sogar noch manches im Argen, doch ist es im Gesamten ein echt heißer Anwärter auf den Strategietitel des Jahres. So, genug Hitze. Ich brauche jetzt was kaltes zu Trinken.

Steam Gift Card – by Valve

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… oder wie soll man ruhigen Gewissens so ein Weltraum-Strategie-Biest „für eine paar Runden“am Abend starten um sich dann, erneut, viel zu spät in der „das versuche ich aber noch!“-Spirale zu befinden. Eigentlich ist es ja die kalte Jahreszeit, die einen an diese komplexen Spiele lockt, die so viel Einarbeitungszeit und Geduld fordern, und nicht die warmen Frühlings- und Sommerabende, die man mit Freunden bei einem kühlen Getränk auf der Terrasse der Lieblingsbar verbringen wollte. Nun, wo Endless Space 2 (ES2) aber da ist und um Aufmerksamkeit buhlt, können wir auch den einen oder anderen Abend mit Kollegen verschieben. Statt…

Wertung

Grafik - 78%
Sound - 80%
Gameplay - 84%
Umfang - 90%

83%

Gut!

Wer einen heißen Kandidaten für einen überhitzten Kopf an heißen Sommerabenden sucht, packt hier beherzt (mit Handschuhen) zu.

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