Samstag , November 18 2017

Test: Halo 5 Guardians – Eine neue Reise beginnt

Immer, wirklich immer hält die Xbox-Community den Atem an, wenn ein neues Halo das Licht der Welt erblicken soll. Bei Halo 5: Guardians umso mehr, da es das erste Halo auf der Xbox One ist, dass es zuvor noch auf keiner anderen Xbox gegeben hat. Wir haben uns 343 Industries neues Werk einmal ganz genau angeschaut und wollen unsere Eindrücke über den neuen Shooter für die Xbox One in diesem Review zusammenfassen.

Als Cortanas vorprogrammiertes Ende kam, der Wahnsinn langsam von ihr Besitz ergriff, fühlte sich John erstmals in seinem Leben verloren. Machtlos. All die Jahre des Trainings, der harten Prüfungen und Schicksalsschläge konnten ihn dennoch nicht auf das vorbereiten. Seine Begleiterin, seit Jahren die Stimme des Vertrauens, der Vernunft und der Hilfe, wo es sonst keine gab, soll jetzt verschwinden? Zurück bleibt eine Leere, die tiefer und schmerzvoller ist, als das „simple“ Verschwinden einer KI – Cortana war mehr.

Ein lauter Pfiff dringt an seine Ohren. Das vertraute Signal der Schilde ertönt, holt John aus seinen Gedanken zurück in die wirkliche Welt. Jetzt laufen die Bewegungen ab wie in Trance. Eine leichte Drehung nach links, der Finger krümmt sich automatisch im richtigen Moment und trifft den Feind genau in den Kopf. Die Schilde des Eliten waren bereits vom Sperrfeuer des Teams geschwächt. Noch während der Schuss durch die Gänge der Station hallt, steht John wieder auf. „Jetzt ist keine Zeit für solche Gedanken“ – sagt seine innere Stimme. Wieder auf beiden Beinen stehend richtet sich sein Fokus wieder auf das Geschehen. Sein Kampfinstinkt übernimmt einmal mehr das Kommando. Die Grunts haben keine Chance – geschickte Schläge an die richtigen stellen fällen die kleinen Allianzer als wären sie nie eine Bedrohung gewesen. Wieder ein Schuss, der die Schilde aufglühen lässt. Ein Schakal trachtet John nach seinem Leben.
Die Schilde wollen den Dienst aufgeben, doch John stürmt los – ein letzter Sprung in das Schussfeld des Scharfschützen und auch hier erlischt jegliche Gegenwehr. Die Forschungsstation scheint der Allianz mehr als wichtig zu sein. John trifft die harte Entscheidung sie keinesfalls dem Feind in die Hände kommen zu lassen – „Kelly, bring uns zu den Reaktoren.“ In jeder noch so kleinen Pause kann sich Spartan 117 immer wieder nur einen Gedanken hingeben: „Ist sie wirklich tot? Habe ich Cortana wirklich verloren?“

Gerade als die Aufgabe erfüllt scheint, ist da diese Stimme. So vertraut, so lange vermisst: „John, komm nach Meridian.“ Nicht für den Bruchteil einer Sekunde kamen Zweifel auf – das war Cortana, doch wie ist das möglich?
Halo 5 2

Das hat uns gefallen:

Halo 5 war schon vor dem Release in aller Munde und konnte letztlich auch schon des Öfteren gesehen werden. Allerdings, wenn man das erste Mal mit Team Blau oder auch Feuerteam Osiris in den Kampf zieht, ist es noch einmal etwas ganz Anderes. Auch die Beta, die uns schon einen kleinen Vorgeschmack auf den Multiplayer bot, konnte noch nicht die ganze Pracht des Shooters zeigen. Grafisch ist Halo 5 tatsächlich auf einem komplett neuen Level angekommen. Die Atmosphäre von Halo trägt dazu bei, dass dieser Eindruck verstärkt wird. Obwohl Halo schon immer recht bunt war, wagte 343 Industries mit Halo 5 einen etwas anderen Ansatz. Es ist düsterer geworden – hat aber nichts von seinem Charme verloren, der einst die Gamer so fesseln konnte. Egal ob Allianz oder Prometheaner, sie alle sehen besser aus denn je, haben aber „nur“ ein Upgrade erhalten. Es gibt also keine drastischen Veränderungen am Design, sondern nur subtile, die das Erlebnis „Halo 5“ erst zu dem machen, was es ausmacht.

Sieht Halo 5 also gut aus? Ja, es ist ohne zu übertreiben, dass bisher schönste Halo – selbst dann, wenn man die Neuauflage von Halo 2 berücksichtigt. Halo 5 setzt die Messlatte für Shooter hoch an. Auch Konkurrenztitel, auf anderen Plattformen müssen hier erst einmal nachlegen. Halo 5 ist derart schön, dass man oftmals einfach nur vor der dargebotenen Szenerie anhält und die Aussicht genießt – allerdings sollte man das Gebiet vorher von Feinden säubern. Vor allem die durch die Beleuchtung erzielte Stimmung sucht seines Gleichen. Nebel und andere Effekte setzen dem Ganzen die Krone auf. Wirklich wichtig ist aber, dass 343 Industries Wort halten konnte, als man versprach, dass Halo 5 ››konstant‹‹ mit 60 Bildern pro Sekunde laufen wird. Nur die Sequenzen laufen mit 30 Frames in der Sekunde, was aber keinen Einfluss auf das Spiel hat, da die Qualität auch hier augenscheinlich filmreif ist.

Sound von Halo 5 konnte ebenfalls gänzlich überzeugen. Die deutsche Sprachausgabe ist voll und ganz auf Qualität ausgelegt. Es gibt keine Stimme, die unserer Meinung nach, nicht in das Gesamtbild passt. Spartan 117 ist mit der für ihn typischen Stimme erneut eine Freude für die Ohren. Agent Locke kann sich ebenfalls „hören“ lassen. Der Soundtrack wird nicht nur Neueinsteigern gefallen, die sich mit Halo 5 in ein komplett neues Abenteuer stürzen, sondern auch Veteranen der Serie werden ihre helle Freude daran haben. Schon im Menü bekommt man nostalgische Gefühle. Fans der ersten Stunde dürfen sich auf eine sehr bekannte Melodie einstellen. Neben der Musik, die einfach erstklassig ins Spiel passt, sind es auch die Effekte, die das hohe Niveau unterstreichen. Schon mit normalen TV-Lautsprechern ist es eine Freude Halo 5 zu hören.

Beim Gameplay gibt es schon einige andere Änderungen, als beim Design – für viele das erhoffte „Feature“ überhaut. Erstmals in einem Halo-Titel kann über „Kimme und Korn“ gezielt werden. Natürlich hat fast jede Waffe ein dementsprechendes Visier, weshalb man beim Design viele neue Waffenelemente einfügen konnte. Es waren vor allem die Waffen und ihr bekanntes und zeitgleich doch „fremdes“ Design, die uns sehr häufig ein breites Lächeln über das Gesicht zaubern konnten. Selbst altgediente Waffen wurden etwas überarbeitet, damit ein Zielen durch das Visier überhaupt Sinn ergibt.

Neu aber nicht minder wichtig ist das Hinzukommen von Schubdüsen, von denen die Spartans häufig Gebrauch machen sollten, sofern sie nicht das Zeitgliche segnen wollen. Daraus resultiert der Spartan-Dash – ein mit dem Dash kombinierter Nahkampfangriff, der sehr viel zerstörerischer ist, als ein normaler Schlag. Abseits davon ist das Halo-Erlebnis nach wie vor vertraut und kaum angerührt worden – getreu dem Motto: „Never touch a running system.“

Die künstliche Intelligenz in Halo 5 ist abhängig vom Schwierigkeitsgrad. Um Zeit zu sparen und den Test rechtzeitig fertig zu bekommen haben wir „lediglich“ auf Normal gespielt. Für Fans sicher nicht mehr als ein Spaziergang am Strand. Das Verhalten der Feinde ist dabei abhängig von der Rasse. Während die Allianz auf bekannte Bewegungen setzt, sind die Prometheaner nicht ganz so leicht zu durchschauen. Überraschend gut gefallen hat uns die KI der drei Kumpanen des jeweiligen Teams. Sie sind nicht nur Kanonenfutter oder stehen dumm im Weg rum, sie beteiligen sich aktiv im Kampf und klauen gerne auch mal den einen oder anderen Kill. Sollte man im Kampf fallen, helfen euch die behelmten Kameraden wieder auf die Beine – natürlich auf Knopfdruck. Will man etwas taktischer an ein Gefecht gehen, nutzt man die Möglichkeit seinem Team ein Hauptziel zu geben. Was das Flankieren ungemein erleichtert.

Ganz neu ist es nicht, auch in Koop in den Kampf ziehen zu können, doch Halo 5 lässt euch von Beginn an direkt mit jeweils drei Freunden, also insgesamt zu viert, in den Kampf starten. Passend dazu gibt es natürlich auch diverse Veränderungen im Multiplayer-Modus. Während Arena-Kämpfe ihren Namen alle Ehre machen und euch auf verschiedene Maps in den Kampf gegen andere Teams schicken, ist der Warzone-Modus aber der eigentliche Star im Spiel. Eine gigantische Schlacht wird euch hier geboten – was sich durchaus auch auf die Größe der Map bezieht. Obwohl der klassische Multiplayer-Modus Spaß brachte, konnte uns vor allem der Warzone-Modus fesseln. Das Gefühl in einem echten Krieg zu stecken ist einfach sehr viel packender. Unterschiedliche Fahrzeuge und Waffentypen treffen hier aufeinander – Spaß ist einfach vorprogrammiert.

Was den Warzone-Modus so unterhaltsam macht ist die Tatsache, dass man nicht nur Red vs Blue spielt, sondern auch KI gelenkte Feinde auf dem Feld unterwegs sind. Zeitgleich gibt es kleinere Aufgaben – wie beispielsweise feindliche Bosse zu töten. Die eigene Basis muss währenddessen aber auch gesichert und gegen das gegnerische Team beschützt werden. Die Teams bestehen jeweils aus 12 Spielern und wirklich jeder Menge KI-Feinde. Action nonstop!

Halo 5 1

Das hat uns nicht gefallen:

Halo 5 macht Spaß, sehr viel Spaß sogar und es ist, unserer Meinung nach, dass bisher beste der Reihe. Doch leider ist es recht kurz geraten. Gerade einmal 15 Missionen teilen sich Team Blau und Feuerteam Osiris. Einige Missionen sind derart kurz, dass sie gar nicht als selbige durchgehen sollten, sondern eher eine Art „Lückenfüller“ für die Mission im Anschluss dienen. Nur dann, wenn man wirklich alles in Halo 5’s Kampagne finden will, wird man wohl die 10+ Stundenmarke knacken können. So dürften es nicht mehr als 6-7 Stunden sein, die man für diese 15 Missionen benötigt.

Fazit:

Normalerweise beginne ich ein Fazit immer mit den guten Dingen, dieses Mal möchte ich aber das Schlechte zu Beginn nennen: Halo 5: Guardians ist zu kurz geraten – zumindest die Kampagne. Das haben wir in einem Halo-Titel schon anders und besser erlebt.

Allerdings ist Halo 5: Guardians eine Augenweide, nicht nur für Fans der Reihe. Viel zu oft habe ich mich dabei erwischt, wie ich einfach nur die Landschaft angeschaut habe. Es war schön, wenn keine Feinde da waren, da man sich der schönen Grafik hingegeben konnte. Dass dabei alles noch in sanften 60 Bildern pro Sekunde vor den Augen ablief, war das Nonplusultra.

Selbst die oft verbockte Synchronisation ist in Halo 5 kein Thema. Das hier Präsentierte sollte als Standard für Spiele dienen. Eine gute Vertonung ändert nicht nur die Atmosphäre, sie bereichert sie. Ich könnte jetzt noch auf das Gameplay eingehen und euch sagen, wie viel Spaß es gemacht hat, mit Anlauf durch eine Wand zu brechen aber mein Tipp: kauft euch Halo 5: Guardians – spielt es alleine oder mit Freunden und erlebt selbst, wovon ich hier rede. Halo 5 erhält von uns eine klare Kaufempfehlung und setzt sich an die Shooter-Spitze des Jahres 2015.

Wertung

Grafik - 97%
Sound - 96%
Gameplay - 93%
Umfang - 82%
Multiplayer - 98%

93%

Sehr Gut!

Der Chief ist wieder da, nicht alleine und schöner und größer als je zuvor. Ein Spiel, dass nicht nur von Fans gekauft werden sollte, sondern in wirklich jede Sammlung gehört. Unser Shooter des Jahres!

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