Dienstag , Juli 17 2018

TEST: Jurassic World Evolution – Comeback der Saurier

Nachdem der letzte Jurassic World-Film sein Debüt in den Kinos gefeiert hat, soll die Franchise auch die Konsolen erobern; in Form von Jurassic World Evolution.

Das Leben findet einen Weg und wenn dieser Weg in einen Freizeitpark führt, dann verlangen wir dafür Geld. Dafür benötigen wir nur die gefährlichsten Tiere, die vor Millionen von Jahren diese Welt bevölkert haben und zwängen sie in kleine Gehege – was kann da schon schiefgehen?

Oh, ein Stromausfall. Zum Glück sind unsere Tore, die den T-Rex von den Zuschauern schützen sollen bestens gesichert. Was? Sind sie nicht? Wenn ich Ihre Aufmerksamkeit nun auf diesen kleinen, unscheinbaren Pflanzenfresser richten darf, während ich schnellstens die Beine in die Hand nehme und einen Schutzbunker aufsuche?

Falls sie einen kleinen Tipp von mir wünschen? Ziehen sie keine High Heels an, sowas funktioniert nun in albernen Filmen – nun sollten sie aber laufen!

Jurassic World Evolution

Das hat uns gefallen:

Was wäre Jurassic Park ohne Dr. Ian Malcom und Jurassic World ohne Chris Pratt als Owen Grady? Genau, ein Haufen Dinos die brüllen und Menschen fressen wollen, also fast gleich, nur mit weniger Charme. Um Charme ins Spiel zu bringen, hat sich Entwickler Frontier nicht lumpen lassen und die Originalstimmen von Dr. Malcom und Owen auf die Inseln fliegen zu lassen, um uns während des Spiels ihre Moral zu predigen.

Was jetzt schlimm klingt, ist es aber gar nicht. Durch die Kommentare von Jeff Goldblum, in seiner deutschen Variante, kommt ein Gefühl der Nostalgie auf, wie wir es so gar nicht erwartet haben. Ohne zu viel zu verraten, hat Mister Goldblum in Jurassic World Evolution deutlich mehr Text als im neuen Jurassic World-Film.

Jurassic World Evolution bringt uns im Story-Modus auf verschiedene Inseln, die wir aber erst nach und nach freischalten können und werden. Jede Insel bietet andere Szenarien, die es zu bewältigen gilt. Hohe Schulden zum Start, schlechtes Wetter oder Sabotageversuche. Um auf diese Inseln zu gelangen, gilt es zunächst verschiedene Aufgaben zu erfüllen. Unterteilt in drei Fraktionen – Wissenschaft, Sicherheit und Unterhaltung – schaltet ihr mit Erfüllen einer Mission eine neue Insel frei oder aber neue Dinos oder Gebäude.

Auf dem ersten Blick ist Jurassic World Evolution nur ein weiterer Park-Manager, ohne Achterbahnen. Allerdings gilt es nicht nur die Dinos in Form von Attraktionen an den Besucher zu bringen, sondern auch Forschung zu betreiben und Expeditionen zu führen.

Das klingt erst einmal spannend, ist es aber leider nicht. Nachdem wir eine Forschungsstation und ein Expeditionszentrum gebaut haben, schickt ihr entweder einen Helikopter los oder befehligt die Forscher neue Gensequenzen oder Heilmittel bzw. Gebäudeupgrades zu erforschen. Damit könnt ihr dann sicherstellen, dass eure Dinos nicht krank werden, denn das werden sie. Nicht nur die Besucher wollen zufrieden sein, sondern auch die eigentlich ausgestorbenen Tiere ebenfalls. Jede Spezies hat andere Anforderungen. Während ein T-Rex beispielsweise viel Grasfläche mit wenige Wäldern bevorzugt, braucht ein Brachiosaurus sehr viel Wald, um sich geborgen zu fühlen. Und glaubt mir, ihr wollt zufriedene Dinos in eurem Park, sehr zufriedene.

Sinkt ihr Gefühl für Geborgenheit, entdecken die Tiere plötzlich ihre chronische Abneigung gegen Zäune aller Art. Da ist es vollkommen egal ob Pflanzenfresser oder Antivegetarier – sie werden ausbrechen, wenn sie sich nicht wohlfühlen. Um Geborgenheit zu schaffen, gilt es aber viele Faktoren zu beachten, nicht nur die richtige Landschaft und Futter. Diese Art des Micromanagements kann wirklich viele Stunden Spielzeit fressen und macht dabei erstaunlich viel Spaß.

Spaß wollen auch eure Besucher. Nicht nur in Form von Essen, einer Bar oder eines Souvenir-Geschäfts, sondern mit den Dinos selbst. Das bedeutet nicht, dass ihr jetzt aus dem T-Rex Gehege ein Streichelzoo machen sollt, vielmehr spielt einfach lieber mit der Natur und fummelt an den Genen eurer Tiere rum. Dadurch erhalten sie andere Farben oder sogar ein anderes Verhalten. Werden aggressiver, haben festere Haut oder ein größeres Hirn. Zutaten für jede Menge Spaß, oder?

Falls das eure Besucher noch immer nicht ansprechen sollte, könnt ihr der Natur auch ihren Lauf lassen. Damit ist jetzt nicht FSK 18-Dinospaß gemeint. Was mag wohl passieren, wenn ihr einen Fleischfresser und einen Pflanzenfresse in ein gleiches Gehege setzt? Findet es doch einfach mal heraus. Oder was passiert, wenn ihr zwei Fleischfresser in ein Gehege setzt, die gleich groß sind und es gewohnt sind die dominante Spezies zu sein? Ein kleiner Tipp: das Leben findet immer einen Weg, in den Magen von anderen Leben.

Natürlich bietet Jurassic World Evolution aber auch das alltägliche Park-Aufbau-System. Es muss für genügend Storm gesorgt sein, ein ausreichendes Wegenetz und die Wartung und Pflege der Dinos darf nicht zu kurz kommen. Zusammen mit den anderen Aspekten ist Jurassic World Evolution ein echter Zeitvernichter – im positiven Sinne. Ebenfalls positiv ist das Gameplay von Jurassic World Evolution. Schnell zu lernen und ebenso schnell zu meistern.

Parksimulatoren sind in der Regel keine Grafikbomben und auch Jurassic World Evolution macht da keine Ausnahme, zumindest teilweise. Die Gebäude und Personen sind schön, kein Hingucker aber schön. Die Saurier auf der anderen Hand – holla! Jede Spezies hat natürlich ein anderes Vorhalten und Vorlieben aber grafisch gesehen sind die Dinos (nicht die Mama!) wunderschön anzuschauen.

Nehmen wir wieder den König der Saurier, den T-Rex. Jede Bewegung zeigt die Beinmuskulatur, die bei jedem Schritt in Wallung gerät, die Arme eher nicht so. Brüllt der erzürnte Herrscher seine Beute an oder einen Baum (es gibt aber auch böse Bäume), dann könnt ihr nicht nur seine Zunge und die beeindruckende Kauleiste sehen, sondern auch Details über Details. Seitlich des Mauls bewegt sich beim Gebrüll das Gewebe, ähnlich wie im Film und es klingt einfach toll.

Ob Brachiosaurus oder Raptor, jeder Dino hat mit viel Liebe zum Detail seine eigene „Stimme“ erhalten, mit Tönen, die jeder Jurassic Park-Fan kennen und lieben sollte. Wo wir von Tönen sprechen: auch der Soundtrack von John Williams darf nicht fehlen und auch der bringt so viele Erinnerungen zurück.

Das hat uns nicht gefallen:

Das größte Manko von Jurassic World Evolution ist die fehlende Vielfalt des Spiels. Klar die Dinosaurier sind wunderschön anzusehen, doch in der Regel nur die ersten zwei drei Minuten. Danach sind andere Aktivitäten wichtiger. (Oh Mist, schon wieder Stromausfall. Kann jemand mal die Stadtwerke anrufen?!)

Obwohl jetzt, nach dem Launch, schon wieder sechs neue Spezies hinzugefügt worden sind, bleiben es zu wenig Dinos, um lange Spaß zu haben. Schade ist auch, dass es keinen Modus gibt, in dem wir einfach losspielen können, ohne die sechs Inseln vorher freispielen zu müssen. Diese Art Modus sollte und darf in keinem Simulator fehlen.

Der letzte Punkt geht an die Besucher. Diese scheinen allesamt in Geld zu schwimmen. Sicher, sie vergeben Wertungen zu eurem Park, doch könnt ihr im Grunde so viel Geld verlangen wie ihr wollt, sie werden es zahlen. Sinnfreie Einrichtung wie einen Arcade-Shop, in dem gelangweilte Teenager zocken können – Dinos sind einfach öde – hätte gerne Ersatz durch beispielsweise ein Wasserbecken finden können. So wie in den Filmen, ihr wisst schon, die mit den Dinos und den schreienden Kindern und den Frauen die mit dem denkbar dümmsten Schuhwerk einen Dauerlauf durch den Wald proben.

Jurassic World Evolution - [Xbox One]

Price: EUR 52,99

4.5 von 5 Sternen (9 customer reviews)

10 used & new available from EUR 47,95

Fazit:

Jurassic World Evolution ist ein Zeitfresser und macht sehr viel Spaß. Die Dinosaurier sehen wundervoll aus und haben, je nach Spezies, andere Anforderungen an ihr Umfeld. Um nicht zu schnell von den großen, mit Zähne übersäten Tieren, gelangweilt zu werden, könnt ihr noch mit ihren Genen rumspielen – was kann da schon schiefgehen?

Allerdings ist Jurassic World Evolution nicht perfekt. Einen Modus zum freien Bauen gibt es leider nicht und auch die Vielfalt an Gebäuden ist ernüchternd. Bleibt zu hoffen, dass Frontier hier noch nachbessern wird und mit weiteren Updates auch neue Inhalte liefern wird.

Trotzdem ist Jurassic World Evolution einer der besten Aufbausimulationen, die es seit langer Zeit auf den Konsolen gegeben hat. In diesem Sinne: Zieht euch Schuhe mit hohen Hacken an und besorgt euch eine Leuchtfackelt, denn das Wasserglas wackelt schon wieder so komisch.

Wertung

Grafik - 80%
Sound - 83%
Gameplay - 78%
Umfang - 78%

80%

Gut!

Einer der besten Vertreter des Genres, den wir seit langer Zeit auf den Konsolen begrüßen durften.

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