Dienstag , November 21 2017

TEST: Mittelerde: Schatten des Krieges – Besser als der Vorgänger?

Die Welt befindet sich im Wandel. Zumindest die Welt der Videospiele. Loot und Microtransactions werden mehr und mehr in den Vordergrund gerückt. Mittelerde: Schatten des Krieges musste sich diese Vorwürfe schon vor dem Release gefallen lassen. Aber verbirgt sich hinter dem kritischen Auge mehr als nur das? Wir haben das Spiel auf Herz und Nieren getestet.

Saurons Ring schmiedete sich nicht von allein. Es war Celebrimbor, der Ringschmied, der den Ring der Macht angefertigt hat. Nicht ahnend, dass Sauron auch ihn betrügen würde. Nachdem die Jahre vergingen und der Waldläufer Talion das Aufstreben Saurons aus erster Hand erleben musste, und dabei zusah, wie seine Frau und sein Sohn von den Orks aus Mordor getötet wurde, fanden der Geist von Celebrimbor und Talion zusammen.

Nach dem Sieg über Saurons Diener, hat sich das ungleiche Paar daran gemacht einen neuen Ring der Macht zu schmieden. Einen, der selbst Saurons Ring bezwingen kann. Doch Celebrimbors Geist wurde von Talion getrennt und nur durch den Ring der Macht, konnte sich Talion aufmachen seinen Verbündeten zu suchen.

Diese Suche sollte nur der erste Schritt sein, um den Kampf nach Mordor und vor die Tür Saurons zu tragen. Aber nur eine Armee kann vollenden, was die beiden begonnen haben.

Das hat uns gefallen:

Mittelerde: Schatten des Krieges fängt genau dort an, wo der erste Teil aufhörte. Mitten im Schicksalsberg beginnt die Story, und damit verbunden, eine der größten Stärken des Spiels: das Wecken von Neugier. Die Story selbst ist kein Meisterwerk, doch dazu später mehr, versteht es aber Neugier und Interesse zu wecken.

Wie passt die Geschichte von Talion und Celebrimbor in die Welt von Herr der Ringe? Diese und ähnliche Fragen stellt sich wohl jeder Fan, während der Ereignisse von Mittelerde: Schatten des Krieges.

Schön ist auch, dass es ein Wiedersehen mit alten Bekannten aus dem ersten Teil und aus den Filmen bzw. Büchern gibt. Immer wieder werden Anspielungen gemacht und können gefunden werden, die auf das Werk von J.R.R. Tolkien verweisen. Das Land von Mordor, unterteilt in Bereichen, die alle mit der Story und mit Quests verbunden sind, ist einmal mehr der Spielplatz von Talion und seinem „unsichtbaren“ Begleiter.

Die Paradedisziplin von Mittelerde: Schatten des Krieges ist aber das Nemesis-System und damit auch die Orks. Es wird vorkommen, dass ihr irgendwann einmal, gerade zu Beginn, den einen Schlag erhalten werdet, der Talion zu Boden streckt. Dann, wie schon im ersten Teil, wird sich dieser Ork, der euch ins Land der Toten führte, an euch erinnern. War es ein Ork ohne Rang wird er als Hauptmann in die Reihen von Sauron aufgenommen und ist ungleich stärker als bei eurem ersten Treffen.

Etwas später im Spiel erhaltet ihr dann die Möglichkeit Hauptmänner zu „bekehren“, sie auf eure Seite zu ziehen. Allerdings ist das nicht immer eine Erfolgsgarantie. Orks sind und bleiben von Natur aus ein wankelmütiges Volk. Verrat wird euch mehr als einmal treffen.

So wird es passieren, dass ihr gerade einen anderen Hauptmann bekämpft oder auf dem Weg zu einer Mission seid, dass euch plötzlich ein Ork überfallen wird, nur um euch mitzuteilen, dass er euch niemals dienen wird bzw. euch verraten hat. Natürlich bleibt es dann nicht nur bei Worten, sondern es folgen immer Taten.

Allgemein baut Mittelerde: Schatten des Krieges gern auf Überraschungen auf. Sauron wird euch seine Attentäter auf den Hals hetzen, die euch immer dann überfallen, wenn ihr es entweder nicht erwartet oder gebrauchen könnt.

Die Semi-freie Welt des Spiels sorgt nicht nur für verschiedene Settings, wie Schnee, vulkanische Gebiete oder Graslandschaften, sondern bietet die Möglichkeit zum Erkunden. Abseits der Haupt- und Nebenmissionen, gibt es jede Menge zu entdecken. Von Herausforderungen, die ihr in der Rolle von Celebrimbor erledigen müsst, um Fähigkeitspunkte und Belohnungen zu erhalten, bis hin zu Sammelobjekten, wie Worte, die ihr benötigt um elbische Türen zu öffnen, um an legendäre Ausrüstung zu gelangen.

Die angesprochenen Fähigkeitspunkte, könnt ihr dann im stark überarbeiteten Skill-Tree des Spiels einsetzen. Zu Anfang wirkt dieser sehr verwirrend und überladen. Da jede Fähigkeit noch drei Spezialisierungen bietet. Damit stehen euch viele neue Fähigkeiten zur Verfügung, die sich im Kampf mehr als einmal von Wert beweisen werden.

Beim Gameplay hat Monolith auf dem aufgebaut, was wir aus dem ersten Teil bereits kennen und kaum Experimente gewagt. Noch immer geht es darum mit einer Taste zu schlagen, mit einer anderen zu kontern und vor allem eines nicht zu machen: stehen bleiben.

Neu sind die Möglichkeiten Festungen anzugreifen, was euch wirklich ein grandioses Gefühl bereiten wird. Wählt aus, mit welchen Orks ihr an eurer Seite eine Festung angreifen möchtet und stürmt bis zum letzten Boss vor, der euch das Leben nicht einfach machen wird. Zudem habt ihr später im Spiel die Möglichkeit Festungen anderer Spieler anzugreifen und zu erobern, glücklicherweise ohne eure oder deren Orks dauerhaft aus eurer Liste zu entfernen.

Sehr belohnend ist auch die Möglichkeit Spieler zu rächen. Die „Online Blut Rache“, bietet die Chance einen gefallenen Kameraden zu rächen. Im Gegenzug erhaltet ihr Erfahrung, Gegenstände und zu Beginn sogar legendäre Ausrüstung.

Nicht nur aufgebaut, sondern deutlich verbessert wurde die Grafik von Mittelerde: Schatten des Krieges. Selbst ohne Xbox One X bzw. PS4 Pro sieht das Spiel unglaublich gut aus. Kein Wunder, wurde der erste Teil noch für die alte und aktuelle Konsolengeneration entworfen. Mit dem Boost der Xbox One X (ab dem 07. November erhältlich) und der PS4 Pro kommen noch schönere Effekte und Texturen ins Spiel. Dann präsentiert sich Mordor von seiner schönsten und eindrucksvollsten Seite.

Wieder gut geworden die deutsche Synchronisation. Talion, als auch Celebrimbor, haben die aus dem ersten Teil bekannten Stimmen. Die Stars des Spiels sind und bleiben aber die Orks. Hier hat sich Monolith nicht lumpen lassen und für Vielfalt im Überfluss gesorgt. Sicher, die eine oder andere Stimme wird mehr als einmal zu hören sein, doch selbst dann ist es immer wieder ein Genuss den oft merkwürdig-komischen Dialogen der Orks zu lauschen. Musikalisch wird natürlich wieder voll ins Schwarze getroffen und ein fast schon epischer Soundtrack aufgefahren, vor allem immer in den Hauptmissionen des Spiels.

Das hat uns nicht gefallen:

Bleiben wir gleich bei den Charakteren. Talion – Held des Spiels und trotzdem der wohl am wenigstens interessante Charakter. Im Grunde dient er dem Spiel nur als moralischer Kompass und sorgt dafür, dass Celebrimbor nicht gänzlich die gleiche Richtung wie Sauron einschlägt, um seine Ziele zu erreichen.

Wie schon zuvor erwähnt sind die Orks die eigentlichen Stars, denn diese haben oft sehr viel mehr Charakter als Talion. Allein Bruz bringt mehr Leben ins Spiel, als der Waldläufer und Celebrimbor zusammen.

Der größte Minuspunkt ist aber „leider“ keine Überraschung. Es sind die Microtransactions und die damit verbundenen Loot Boxen. Im Spiel gibt es zwei Arten von Währung. Silber und Gold. Erstes könnt ihr durch spielen selbst erwirtschaften, sogar in großen Mengen. Gold ist etwas, das ihr sehr selten vom Spiel erhalten werdet.

Denn hier kommt euer schwerverdientes Geld zum Tragen. Warner Brothers und Monolith bieten drei Arten von Kisten. Silberne Kisten, die normale, epische und nur sehr selten auch legendäre Krieger und Ausrüstungsgegenstände beinhalten, goldene Kisten, die ihr nicht mehr mit Silber erwerben könnt, die epischen und legendären Loot beinhalten und mythril Boxen. Diese beinhalten nicht nur mehr Items bzw. Krieger, sondern ausschließlich legendären Loot. Natürlich ist dieser nur mit echtem Geld zu erhalten.

Das heißt aber nicht, dass Mittelerde: Schatten des Kriegers euch nicht die Möglichkeit bietet an legendären Loot zu kommen, ganz im Gegenteil. Nur ist der Markt viel zu präsent im Spiel. Genau im Zentrum eures Menüs gelegen, lockt euch die eine oder andere kostenlose goldene Kiste in den Markt, denn nur dort können Kisten, egal ob mit Silber, mit echtem Geld erworben oder geschenkt, geöffnet werden.

Dabei hat der Loot, den ihr kauft, einen sehr großen Haken: Nehmen wir an, mit Level zehn möchtet ihr eure erste Loot Box kaufen. Gesagt, getan. Der Loot, den ihr erhaltet, wird dann für euren aktuellen Level angepasst. Gerade zu Beginn sind oft normale Items deutlich stärker als kaufbarer Loot.

Sicher, die legendären Items können mehrere Male verbessert werden, aber der Weg dahin ist nicht nur steinig, sondern extrem lang. Mit Level 20 hat ihr beispielsweise die Aufgabe einen Ork zu beherrschen, der Level 40+ ist, um eure Ausrüstung zu verbessern. Das Orks mit dieser Stärke keine leichte Herausforderung darstellen, gerade zu Beginn des Spiels, lassen wir jetzt mal „unerwähnt“. Zudem sind die Gebiete, in denen sich solche Gegner aufhalten, nicht sofort frei wählbar.

Wer also Geld investieren möchte kann das gerne tun, sollte aber unbedingt warten, bis die ersten Level hinter euch liegen, denn sonst bezahlt ihr zu viel, für zu wenig.

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Fazit:

Mittelerde: Schatten des Krieges ist ein gutes Spiel und macht unglaublich viel Spaß. Es erzählt eine interessante Story, die sich zwar nicht immer an die Bücher bzw. Filme hält aber trotzdem zu unterhalten weiß. Das Gameplay bzw. die Neuerungen, die Monolith eingebaut hat, gehen leicht von der Hand – zumindest nach dem ersten Schock, über den Skill-Tree und dessen Möglichkeiten.

Grafik und Sound sind unglaublich cineastisch und laden dazu ein, in der Welt von Mittelerde zu versinken. Eine Welt, dessen Stars die Orks sind, da sie mehr Persönlichkeit haben, als die Helden des Spiels.

Letztlich sind es aber die Microtransactions, die wirklich sauer aufstoßen. Zu oft, zu direkt ins Gesicht der Spieler gedrückt, um mehr Geld zu generieren, sind sie das Geschwür eines sonst sehr guten Spiels.

Wertung

Grafik - 89%
Sound - 93%
Gameplay - 80%
Umfang - 89%

88%

Gut!

Ein Spiel, dass ein perfekter Nachfolger hätte werden können und sollen, wären die Microtransactions nicht derart präsent im Spiel.

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