Donnerstag , Dezember 14 2017

TEST: Samurai Riot – Vier Hände für ein Halleluja?

Gemütliche Couch-Coop-Klopperei statt Ranked-Random-Beat ‚em Up? Eher Streets of Rage statt Street Fighter 2? Lieber gemeinsam statt einsam?

Wer bei all dem zustimmend nicken kann, ist bei Samurai Riot von Wako Factory womöglich an der richtigen Adresse. Wem all das kaum etwas (zu)sagt oder zu sehr nach 1990 klingt, wendet sich vielleicht verfrüht ab und verpasst womöglich eine Art spiel, das man lange nicht mehr auf dem Radar hatte.

Wen jetzt die Nostalgie oder auch nur die Lust auf einen solchen Titel reitet, der liest sich durch den Test, dem wir Samurai Riot (SR) unterzogen haben? Bereit? Controller raus, wir legen los.

Das hat uns gefallen

Eines kann man SR gar nicht hoch genug anrechnen: Endlich hat man wieder einen guten Grund, sich mit einem Kumpel auf die Couch zu fläzen und lokal (einen anderen Weg bietet das Spiel auch gar nicht) zusammen der zünftigen Klopperei zu frönen. Kein notwendiger Voicechat, keine Zufallsgegner oder -Teamkameraden und von Ranglisten keine Spur… zumindest auf den ersten Blick. Als Zugeständnis an den aktuell so leidenschaftlich gepflegten Wettbewerbsgedanken, bietet SR dann doch die Möglichkeit sich in Zeit und Punktestandrekorden zu messen. Na gut, so viel Moderne wollen wir dem Titel dann auch zugestehen.

Im Kern lebt SR davon, sich gemeinsam durch die überraschend wendungsreiche Story – die sogar Entscheidungsmöglichkeiten und somit weitere … Interaktionsmöglichkeiten mit seinem Couchkumpanen eröffnet. Schließlich hat nie jemand behauptet, dass man sich beim gemeinsam Spielen auch einig sein muss. So liegt es an euch, ob als Solist oder zu zweit, moralische Entscheidungen im Namen der beiden Hauptcharaktere, Ninja-Dame Sukane und Samurai Tsurumaru, zu treffen, die die Geschichte voran bringen.

Oh, da es sich um einen klassischen Sidescroller handelt, darf die angesprochene Klopperei natürlich nicht vergessen und unerwähnt bleiben. Natürlich ist es stete Hauptaufgabe, den in Massen auftretenden Bildschirmgegnern nach allen Regeln der (Kampf)Kunst den Pixelhintern zu versohlen. Das ist angenehm fordernd und dank unterschiedlicher, wählbarer, Kampfschulen der Protagonisten vielschichtiger als der erste Blick vermuten lässt. Die Gegnertypen verlangen andere Herangehensweisen, mancher Boss will regelrecht geübt werden und von den (Team)Kombos wollen wir mal ganz schweigen. Es steckt viel drin in diesem so simplen Retro-Klopper.

Die Auswahlmöglichkeiten und somit anders verlaufenden Playthroughs, was die Story angeht, bieten sogar einen gewissen Wiederspielwert.

Das hat uns nicht gefallen

Samurai Riot hat noch ein wenig Platz in seinem Retro-Paket, und hat ein Paar Dinge mit an Bord, die uns nicht ganz zusagen wollen. Wie für Indie-Entwicklungen nicht ungewöhnlich, ist die technische Basis nicht das stärkste Verkaufsargument. Zwar besticht SR mit hübsch gezeichneten Hintergründen und angenehm passender Musik, im Ganzen bleibt aber ein zweckdienlicher Eindruck. Hier kommt allerdings eine Menge „Geschmackssache“ hinzu, so dass jeder hier stark unterschiedliche Präferenzen setzen wird. Gameplay-Videos können hier als Entscheidungshilfe zu Rate gezogen werden wenn dieser Punkt eine große Rolle spielt.

Die Auswahl an unterschiedlichen Gegnern hätte auch größer ausfallen dürfen. Immer wieder laufen einem die gleichen Spießgesellen vor die Handkante, das wirkt auf Dauer etwas ermüdend. Gleiches gilt für die Auswahl an Fertigkeiten bzw. Kombos. Bis diese beherrscht und passend eingesetzt werden können vergeht zwar eine Weile, wenn es aber soweit ist, bemerkt man bald, dass auch diese Auswahl etwas zu überschaubar ist. Hier wäre mehr wirklich Mehr gewesen.

Fazit:

Samurai Riot schafft es spielend, ein wenig ~1990er Feeling aufkommen zu lassen, als diese Art von Spielen auf jeder Heimkonsole zuhause war und man sich vor der Flimmerkiste versammelte um sie bändigen. Trotzdem bringt SR genug moderne Anteile mit, um auch 2017 eine Daseinsberechtigung zu besitzen. Story incl. Entscheidungsfreiheit und Wiederspielwert sind immerhin Argumente, die absolut für den Titel sprechen. So funktioniert es sogar als Singleplayer Titel. Dennoch, der Haupt-Spaß kommt dann auf, wenn man sich zu zweit vor die Kiste setzt und sich durch Samurai Riot kloppt.

Wertung

Grafik - 60%
Sound - 70%
Gameplay - 75%
Umfang - 80%

71%

Samstag Abend? Also: Controller und Kaltgetränke raus, euer Kumpel wird’s euch danken!

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