Montag , November 19 2018

TEST: Spellforce 3 – Schrecklich gut oder einfach nur schrecklich?

Was kommt dabei heraus, wenn man zwei im Kern grundverschiedene und sehr beliebte Spielegenres mixt, den aktuellen Anforderungen an Grafik, Sound und Umfang anpasst, und dazu mit einer erzählenswerten Geschichte vereint?

Auf dem Papier ein verdammt interessanter Titel, perfekt für lange Winterabende. Echtzeitstrategie und Rollenspiel funktionierten schon in den Vorgängern sehr gut, da war ein Nachfolger längst überfällig und von vielen ohnehin herbeigesehnt. Leider scheint zwischen der Planung auf dem Papier und der Umsetzung einiges schiefgegangen zu sein, das vorliegende Produkt ist nämlich alles andere als zufriedenstellend. Nicht dass wir uns falsch verstehen: Im Kern funktioniert Spellforce 3 ausgezeichnet, die Mechaniken greifen toll ineinander und bieten sowohl Strategen als auch Rollenspielern genug Spielwiese …

… aber. Aber. Aber leider zickt das Spiel auch jetzt, einige Tage nach dem eigentlichen Release, noch sehr stark. Mit jedem erscheinenden Patch – und davon gibt es täglich einen, wenn nicht mehrere – bessert sich die Lage zwar, problemloser Ablauf ist aber noch nicht gewährleistet. Da das Prinzip aber auch so schon seine Stärken zeigt, sollte man sich den Test im Ganzen zu Gemüte führen und den Entwicklern die benötigte Zeit zur Fehlerkorrektur einräumen. Denn die Chance, soviel sei gesagt, hat das Spiel verdient.

Das hat uns gefallen

Erleichterung an der Einzelspielerfront: Die Kampagne funktioniert erzählerisch wunderbar, erzählt eine interessante, wendungsreiche Geschichte die vor den Vorgängern spielt (Prequels sind in!), der es zu folgen lohnt und vermittelt nötige Kenntnisse, um später auch Online zu zeigen, wo der Frosch in Heldengestalt die Locken hat. Als einziges Kind des weltbedrohenden Tyrannen ist es natürlich an euch und den Gefährten die ihr um euch versammelt, ihm gegenüber zutreten und zu tun, was ein Held eben tut. Um ihm, seinen Schergen und einer mysteriösen Krankheit, die die Bevölkerung dahinrafft, Herr zu werden, gibt euch das Spiel einige Werkzeuge an die Hand. Von euch befehligte Armeen und die für den Rollenspielanteil essenziellen Begleiter. Gerade letztere, ihre Geschichten und Beziehungen, machen einen großen Reiz aus. Gleiches gilt für die Hauptstory an sich, dier viel mehr Abwechslung und Wendung mit sich bringt, als man anfangs annimmt. Das Verfolgen des Plots macht einfach Spaß – auf dieser Linie überzeugt SpellForce 3 absolut! Oh, dass man die gesamte Kampagne kooperativ spielen kann ist doch auch „nicht schlecht“, oder …?

Die Besetzung der bis zu vierköpfigen Heldentruppe variiert. Mal gibt die Geschichte euch bestimmte Charaktere vor, mal überlässt man euch die Wahl, welcher der vorhandenen Helden sich euch anschließt. Das lässt taktische Wechsel zu um Schwächen der Gruppe auszugleichen, oder auch einfach nach Vorlieben zu entscheiden. Diese Freiheit setzt sich dann auch über die Fähigkeiten und Talente aller Charaktere – eurem Alter Ego und allen anderen Gruppenmitgliedern – fort. Zwar dürft ihr nur euren eigenen Helden selbst kreieren, alle anderen sind vorgegeben, doch ist ab da Hand anlegen und freies Entwickeln absolut möglich. Ausrüstung, Skillung, Punktevergabe … Spellforce 3 überlässt es euch, was ihr aus dem Heldentrupp macht. Spitze!

Akustisch unterstrichen wird die Klasse des Spiels durch die mehr als gelungene Sprachausgabe. Die Sprecher hauchen ihren Charakteren noch mehr Leben ein als sie ohnehin schon auf den Leib geschrieben bekommen. Die teilweise langen Dialoge machen einen großen Teil der Lebendigkeit und Glaubhaftigkeit der Spielwelt aus und man erwischt sich sehr selten dabei, die Unterhaltung einfach wegklicken zu wollen. Gleichfalls starken Anteil an der Atmosphäre hat natürlich die Grafik, die mit viel Liebe zum Detail, beeindruckenden Gegenden und sehr, sehr viel Abwechslung daherkommt. Zurücklehnen und der Spielwelt beim Wuseln zusehen erlaubt!

Zumindest so lange, bis der Feind an eure Basis klopft und ihr statt Synchronsprechern die Waffen sprechen lassen müsst. An dieser Stelle stößt die Heldentruppe allein dann an die Grenzen ihrer Schlagkraft und der Strategie-Part des Spiels gewinnt an Wichtigkeit. Der Ausbau eurer Hauptbasis, das Einnehmen von weiteren Sektoren, in die die Map jeweils eingeteilt ist, das Sammeln von Ressourcen und das Ausheben von Truppen machen einen ebenso großen Anteil eurer „Arbeit“ aus wie das (Mikro)Management der Helden. Dass sich auf den Karten noch neutrale Kreaturen und Gegner, sowie Händler und Questgeber aufhalten, die um eure Aufmerksamkeit buhlen und neugierige Spieler für eine ganze Weile von der Hauptaufgabe ablenken können, ist für Abwechslung also mehr als gesorgt. Ein geschickt eingesetztes Stein-Schere-Papier System zieht sich durch alle Kämpfe – ob die der Helden oder die der massenproduzierten Truppen. Dieses fällt nicht zu komplex aus, bereichert den Spielfluss aber dennoch. Durch drei spielbare Rassen – Menschen, Elfen und Orcs – kommt auch hier Abwechslung ins Spiel, auch wenn an dieser Front ein wenig mehr drin gewesen wäre. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Fraktionen fallen dann doch zu gering aus und machen spielerisch zu wenig Unterschied. Womit wir auch den Übergang zum nächsten Abschnitt geschaffen haben.

Das hat uns nicht gefallen

Bugs treten in Spellforce 3 nicht nur als Gegner in Schwärmen auf. Leider ist das Spiel selbst auch mehrere Tage nach Veröffentlichung nicht frei von teils gravierenden Fehlern, die ein (weiter)spielen schwer bis unmöglich machen können. Das gilt gerade für den Mehrspielerteil, speziell den kooperativen, wo Synchronitätsprobleme auftreten oder sogar der Spielstand unbrauchbar wird. Bye bye, Progress und hallo Neubeginn. Solisten die vor allem die Kampagne allein genießen, treffen auf weniger (gravierende) Probleme. Was nicht heißt, dass auch dort manches im Argen liegen kann. Der Entwickler arbeitet zwar eifrig an Patches, so dass täglich teils mehrere Bugfixes live gehen, die sich diversen Problemen annehmen. Besserung ist also in Sicht! Wann der Titel gefahrlos empfohlen und bugfrei gespielt werden kann, ist wie eingangs erwähnt offen.

Doch auch Abseits rein technischer oder mechanischer Probleme gibt es Unschönes zu berichten. So darf bei all der Opulenz, die die Grafikengine auffährt, nicht unerwähnt bleiben, dass die Übersicht gern komplett flöten geht. Geht es in die Kampfphasen in denen Armee auf Armee trifft, ihr nebenbei weitere Einheiten aus den Kasernen produzieren wollt und versucht angeschlagene Einheiten aus der Gefahrenzone zu bringen heiß her, habt ihr schon mal eure liebe Müh euch zu orientieren. Die Minimap ist leider keine große Hilfe, da ab einer bestimmten „Füllmenge“ kaum zwischen Gebäuden oder Einheiten zu unterscheiden ist. Hier helfen Hotkeys wunder und sollten rege genutzt werden. Dass die eigentlich frei dreh-und zoombare Kamera dann auch noch gern mal Eigenwillen zeigt und nicht so recht will wie ihr, trägt zum Chaos bei. Hier dürfte gern nachjustiert werden.

Mehr Übersichtlichkeit und weniger Zickerei bei der Kamera … nichts, das nicht behoben und verbessert werden kann. Gegenüber den so gravierenden Bugs sind das die ohnehin geringeren Probleme.

Spellforce 3 [PC]

Price: EUR 35,70

3.5 von 5 Sternen (48 customer reviews)

39 used & new available from EUR 29,93

Fazit

Knappe zehn Stunden schlugen wir uns gemeinsam erneut durch die Story die schon allein so viel Spaß versprach. Gänzlich eingetaucht und von Macken weitestgehend verschont, erlagen wir ganz den Reizen der Spielwelt und des Heldenmanagements. Ein simples „Ich kann meine Helden nicht steuern. Geht bei dir was?“ beendete die Freude dann gänzlich unvermittelt. Nach einer Videosequenz weigerte sich das Spiel beharrlich, irgendwelche Befehle entgegen zu nehmen. Neuladen des Spielstands? Ein Weiterspielen im Solomodus? Nichts half mehr, das Savegame und jeglicher Progress waren futsch. Wow, das war ein Dämpfer. Leider kommen solche Probleme auch weiterhin gelegentlich vor.

Nein, sie sind natürlich nicht allgegenwärtig und treten definitiv bei jedem auf. Das Spiel braucht und verdient noch ein wenig mehr Pflege vom Entwickler, dann macht es eine mindestens sehr gute Figur. Die Mischung aus Strategie- und Rollenspiel verdient es gespielt zu werden, Potenzial ist mehr als ausreichend vorhanden. Gebt dem Titel die verdiente Chance und behaltet die Patches im Blick. Es kann toll werden!

Wertung

Grafik - 85%
Sound - 80%
Gameplay - 75%
Umfang - 80%

80%

Genremix-Rohdiamant, der noch ordentlich Schliff benötigt. Das Potenziel zu Großem ist da.

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