Samstag , November 18 2017

Test: Star Wars Battlefront: Kurz ein STAR und das WARS?

Star Wars ist zurück. Nicht, dass es seit seinem ersten Erscheinen 1977 je weg war, aber es konnte zwischenzeitlich erstaunlich ruhig werden um eines der stärksten Ziehpferde moderner Popkultur. In kommenden Dezember führt uns die große Leinwand erneut die weit, weit entfernte Galaxie. Dank Star Wars Battlefront (SWBF) dürfen wir aber schon jetzt ausgiebig dem Drang nachgeben, Teil davon zu sein.

Dem Genre getreu und seinem nächsten Verwandten – ein Vergleich den nicht jeder mag, den ich aber einfach heranziehen muss – , Battlefield aus gleichem Hause, noch ähnlicher, ist SWBF ein teambasierter Mehrspieler-Shooter, der euch auf Seiten des widerrechtlichen Rebellenabschaums oder auch des ehrwürdigen und glorreichen Galaktischen Imperiums ins Gefecht wirft. (Was, man wirft mir hier vor parteiisch zu sein? Aber nicht doch! 😉 )

Also knappe 4 Dekaden Star Wars Atmosphäre gepaart mit dem Gameplay einer unfassbar erfolgreichen Multiplayer-Shooter Serie? Das kann doch gar nicht schiefgehen! Ebenso wenig wie die Ernennung Jar-Jar Binks als Padmé Amidalas Stellvertreter im Senat könnte man jene spoilern, die diese Anspielung direkt verstehen. Alle anderen werden sich wohl ahnungsloser durch den Test arbeiten müssen

Star-Wars-Battlefront-1

Das hat uns gefallen

Ganz klar: Das größte und am schwersten zu widerlegende Plus von Star Wars Battlefront ist der audio-visuelle Hochgenuss! Was hier an optischem und akustischem Bombast aufgefahren wird, braucht wohl auf lange Zeit keinen Vergleich scheuen. Hoth’ Schnee glitzerte nie schöner, ein TIE Jäger kreischte nie imposanter und ein DL-44 Blaster spie nie beeindruckender Feuer als in diesem Spiel. Des Geeks Herz und Gamers Seele werden aufs heftigste erfreut!

Zusammen erschaffen Bild und Ton eine extrem Dichte Atmosphäre, die einen direkt ins Spielgeschehen reißt. Immer wieder bleibt man stehen oder nutzt einen ruhigen Moment – so selten sie sein mögen – um einfach begeistert zu gaffen oder die Ohren zu spitzen.

Nochmals und endgültig: Star Wars Battlefront ist sowohl grafisch als auch akustisch absoluter Wahnsinn!

Das Vorhandensein diverser Spielmodi und Maps für Solo (oder auch Koop) -Spieler ist positiv zu erwähnen und heute längst nicht mehr selbstverständlich für ausgewiesene Mehrspielertitel. Zwar weiß der Umfang kaum zu beeindrucken, eine Story sucht man erst recht vergebens, doch ist die Möglichkeit überhaupt allein in die Schlacht ziehen zu können und sich so an das Gameplay, die Steuerung (auch der diverser Fahrzeuge) und die Karten zu gewöhnen durchaus als Vorteil zu werten. Nicht jeder möchte direkt unerfahren auf die Server losgelassen werden und als Kanonenfutter dienen. Da ist ein eingeschränkter Einzelspielermodus doch um einiges besser als gar keiner. Mit ein wenig Sarkasmus sei eingeworfen, dass man auf diese Art auch schon so manche nicht gelungene Seite der Macht, ähm, des Spiels kennenlernt (nein, ich konnte dem platten Wortspiel nicht widerstehen). Dazu, wie ihr es von uns kennt, weiter unten mehr.

Auf der Habenseite steht auf jeden Fall die große Anzahl verschiedener Spielmodi, die sowohl das Ziel der Runde variieren, sowohl für kleinere bis große Gefechte ausgelegt sind. Mal steht die Infanterie im Mittelpunkt, mal sind Imperiale Kampfläufer integraler Bestandteil des Spielmodus oder der Kampf entbrennt in der Luft. Von Kämpfen im All ist allerdings (bisher?) allerdings weit und breit nichts zu sehen. Hofft also nicht darauf in eurem TIE Interceptor eine Schrottmühle des Widerstands nach dem anderen in den luftleeren Raum zu blasen (Ja, natürlich ist das absolut neutral gemeint!) Von steuer- oder zumindest bekämpfbaren Nebulon-B Fregatten, Siegesklasse Sternenzerstörern und Interdictorkreuzern mag ich gar nicht erst anfangen… dafür darf auch Hand an diverse Helden (bspw. Darth Vader, Boba Fett) oder manchen gesetzlosen Schurken (u.a. Han Solo, Luke Skywalker) gelegt werden. So ist auch ein eigens dafür entworfener Spielmodus vorhanden. Abwechslung ist also vorhanden und auch schwer zufrieden zu stellende Spieler dürften „ihren“ Spielmodus finden.

Alles fein und nach Plan laufend also im Universum, wenn, ja wenn da nicht die bereits angedeuteten Schwachpunkte des Spiels wären – und deren Ausmaß kann so manchen Parsec einnehmen.

Star-Wars-Battlefront-2

Das hat uns nicht gefallen

Auch wenn es mir persönlich in der Seele brennt, muss manch mangelhafter Aspekt des Spiel förmlich herausgeschrieben werden! Wer, bei Admiral Ackbars nach Fisch stinkenden Flossenfingern, hat sich diese Fahrzeugsteuerung ausgedacht? Während man durch die oben beschriebene Prachtgrafik rauscht, beispielsweise auf seinem Speederbike durch den dichten Wald Endors, und die Luft des Waldmonds fast riechen kann, bekommt man das Gefühl, man säße auf einem Stück Seife und könne nur grob die Richtung vorgeben. Direkte Eingabe? Fehlanzeige. Der Sprung in den Raumjäger (der hier ja gar nicht im Raum unterwegs ist, sondern in der Atmosphäre (vielleicht erklärt das ja einiges…)) macht die Sache auch kaum besser. Zwar reagiert das Schiff direkter, dafür ist das eigentliche Feuergefecht ein schlechter Scherz. Gegner aufschalten und simpel den Feuerknopf drücken, der Jäger feuert dann zielsuchend so gut wie allein drauf los. Beschleunigen und Bremsen, vielleicht eine Rolle per Knopfdruck. Sorry, DICE und EA, das ist Gameplay von vor 20 Jahren und sollte heute höchstens noch in einem Mobile-Game auftreten. Dass dann beispielsweise ein rebellischer A-Wing auch noch sehr stark ist und das Balance-Gefüge ins Wanken bringt, ist zum aktuellen Zeitpunkt ein weiterer Punkt, der Missfallen weckt – aber gut. Am Gleichgewicht wird bekanntlich immer geschraubt und zufriedenstellen kann man eh niemals alles und jeden. Zum aktuellen Zeitpunkt ist hier jedoch wirklich Arbeit vonnöten.

Einen unausgewogenen Eindruck hinterlässt auch das Power-Up System. Zwar hauen die verschiedenen Pick-Ups ordentlich rein und beeindrucken natürlich akustisch und visuell, planen und taktisch einsetzen lassen sich diese jedoch kaum. Allgemein spielt sich Star Wars Battlefront wesentlich weniger wie sein entfernter Verwandter Battlefield, sondern gleicht gerne mal dem sinnfrei-fröhlichen Umherballern auf der Kirmes oder dem Paintball-Feld. Oh, die bisher eingeschränkte Auswahl an Maps bzw. Planeten die als Austragungsort herhalten haben wir auch noch nicht erwähnt. Tatooine, Hoth und Endor kennen wir aus den Filmen schon. Dazu kommt Sullust, Heimatplanet von Nien Nunb, Copilot des Verräters Lando Calrissian, als dieser die zweite Raumstation des ehrwürdigen Imperators vernichtete. Ein weiterer Planet, Jakku (Ihr kennt den Trailer für Episode VII? Erinnert euch an den abgestürzten Sternenzerstörer im Wüstergebiet? Das ist Jakku!), und damit neue Gefechtsgebiete, sind aber schon angekündigt – und definitiv notwendig. Zu schnell hat man sich satt gesehen an den vorhandenen Karten.

Das Klassensystem ist… schlicht nicht vorhanden. Ein wenig Freischaltung per Erwerb von Sternenkarten, durch Ränge zu erstehende Bewaffnung und das war es dann auch schon im Groben mit der Individualität am Gameplay. Allzu unterschiedlich spielen sich die verschiedenen Varianten aber ohnehin nicht. Wer mag, schaltet sich beispielsweise noch verschiedene Köpfe für seinen Charakter frei, was insbesondere bei den Sturmtruppen … ähm … lassen wir das einfach.

Fazit 

Helle Seite der Macht. Dunkle Seite der Macht. Heute interessiert uns nur eines: MACHT Star Wars Battlefront Spaß? Ja, tut es! Gerade anfangs zieht der audio-visuelle Magnet uns voll in den Bann. Sobald man alles gesehen hat – was mangels Umfang recht schnell geht – fallen wir immer öfter in Sarlacc-Gruben voller Designschnitzer, die uns gehörig die Freude vermiesen.

Der brennende Star Wars Fan in mir muss leider zugeben: Star Wars Battlefront ist aktuell (!!! Drei Lichtschwerter als Ausrufezeichen) zu mager im Umfang, zu glattgebügelt und taktisch anspruchslos. Wunderschön und oberflächlich, ist es toll für nebenbei aber kaum ein Spiel, das einen immer wieder vor den Monitor zieht. Daher gilt: The DLC will be with you – always! Verdient hat das Spiel eine nachhaltige Pflege auf jeden Fall.

Wertung

Grafik - 95%
Sound - 95%
Umfang - 45%
Gameplay - 35%
Multiplayer - 70%

68%

Kurzweiliger Spaß mit wunderschönen Grafiken und einem unglaublich guten Sound, aber viel zu mager im Umfang, als das es den inneren Star Wars-Fan in mir zufrieden stellen könnte. Da muss deutlich mehr drin sein, um Star Wars würdig in Videospielform zu vertreten.

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