Dienstag , Dezember 12 2017

TEST: Star Wars Battlefront 2 – Ein Spiel von der dunklen Seite?

Warum schweben imperiale Suchdroiden? Damit sie nicht über ihre eigenen Füße stolpern. Was macht Star Wars Battlefront 2? Es kommt auf zwei großen Standbeinen (Einzel- sowie Mehrspieler) daher … und trotz dieses eigentlich soliden Basis ordentlich ins straucheln.

Im kaum abgeschwächten Star Wars Hype und mit dem baldigen Release von Episode 8 kommt ein neues Spiel in der Galaxie weit, weit entfernt natürlich gerade recht. Der Vorgänger von 2015 zeigte vor allem technisch, in welche Richtung die Reise gehen kann. Klare Sache, dass ein Nachfolgetitel die gleichen Stärken erben und alte Schwächen ausbügeln soll. Soviel sei gesagt: Ja, in Teilen schafft Battlefront 2 es, diese Versprechen einzuhalten. So ist die endlich vorhandene Kampagne für eine Zeit lang eine echte Freude und bietet sogar brückenschlagende Einblicke zwischen den Episoden. Der obligatorische Mehrspielerteil bietet wieder schnelle Action und so manchen Wow!-Moment.

Battlefront II scheint also wieder einiges im Angebot zu haben. Wie gut uns diese Elemente gefallen, haben wir für euch im Test geklärt. 

Das hat uns gefallen

Da dieser Punkt zuerst ins Auge sticht, will er auch zuerst abgearbeitet werden: Star Wars Battlefront 2 sieht wieder fantastisch aus und übertrumpft den ohnehin schon herausragenden Vorgänger in dieser Disziplin problemlos. Sowohl auf als auch über den Planeten ist es ein echter Augenschmaus sich ins Gefecht zu werfen. Egal ob als Fußsoldat auf Theed oder auf dem Todesstern, als Pilot im eigenen X-Wing oder über Jakkus Wüsten: Überall ist die strotzt die Grafik mit Pracht und feinen Details. Hier kann man das Spiel kaum genug loben.

Gleiches gilt für den Sound, der enorm zur Atmosphäre beiträgt. Unverwechselbare Geräusche wie zischende Lichtschwerter und kreischende TIEs mischen sich perfekt in die allgemeine Soundkulisse, welche die Kämpfe untermalt. Oh, und sogar die original Sprecher haben ihre Texte eingesprochen, was vor allem in der Kampagne zur Stimmung beiträgt. Womit wir auch beim nächsten Punkt wären – der Story.

Battlefront 2’s Kampagne steckt euch in die Rolle von Iden Versio, Kommandantin des Inferno Squads. Stolze Imperiale, gestandene Soldatin, treue Kameradin… und gleich zu Beginn im Einsatz auf Endor wo sie Augenzeugin der Zerstörung des zweiten Todessterns durch die Rebellion wird. Ein sehr gelungener Auftakt mit selten genutzter Perspektive! Was für Möglichkeiten sich hier bieten wenn man diese nutzt. Wie es darum bestellt ist, lest ihr weiter unten.

Der Mehrspieler mit seinen abwechslungsrecihen Maps lockt erneut auf vielfältige Planeten und deren Orbit, damit sich bis zu 40 Spieler (je nach Modus) die Lasersalven um die Ohren hauen können. Als Vorbereitung bietet sich der Arcade-Modus an, in dem man erste Erfahrungen sammeln und Freischaltungen vornehmen kann. Dies ist auch der beste Ort um sich mit der im Gegensatz zum ersten Teil verbesserten Steuerung der Raumjäger vertraut zu machen oder ein Loadout für die Starcards zu testen. Sogar Koop-Missionen können hier absolviert werden. Die Auswahl auf Flug- und Schießgerät ist mehr als ausreichend und handhabt sich auch unterschiedlich genug, um der eigenen Vorliebe gerecht zu werden.

Anpassen lassen sich die einzelnen Klassen, Helden und Fahrzeuge natürlich auch. Individualisieren wird heute schließlich groß geschrieben. Am liebsten wirft man noch Lootboxen und Echtgeldeinsatz mit in den Hut… und fertig ist ein Aufreger erster Güte.

Das hat uns nicht gefallen

Wer rein gar nichts über die Story der Kampagne wissen will, sollte folgenden Abschnitt komplett überspringen. Nur soviel sei auch euch verraten: Erwartet nicht zu viel.

<Dicker Spoiler!>

Battlefront 2 schafft es leider nicht, die Möglichkeit der Kampagne aus endlich mal wieder anderer Sicht zu nutzen. Gerade erzählerisch wäre hier viel drin gewesen um auch Einblicke in die Sichtweise von imperialen Soldaten zu haben. Plötzlich nur reagierende Kraft, Rückzugsgefechte, vielleicht moralische Zweifel? Pustekuchen. Die Story schlägt schnell einen Haken, lässt Iden ihren Job hinschmeißen um sich der Rebellion/Neuen Republik anzuschließen um für deren Sache zu kämpfen. Dazu ein wenig persönlicher Zwist, fertig ist der Einheitsbrei. Um hier zu punkten hätte es mehr bedurft. Vor allem mehr Mut und Ideen.
</ Dicker Spoiler>

Geboten wird erzählerischer Durchschnitt mit einem anstachelnden Start, teils hanebüchenem Mittelteil und einem Ende, das sich mit Andeutungen begnügt. Das ist alles nicht schlecht gemacht, kann als Ganzes aber leider nicht überzeugen. Die Perspektivenwechsel, wenn wir statt Iden Versio diverse Helden übernehmen, oder auch das Bedienen des Fluggeräts ist allesamt erzählerisch nett, spielerisch aber so flach, das man sich das nächste Level schnell herbei sehnt.

Leider verkommen viele Level zu reinem Ballerbuden-Gameplay bei dem man das Gefühl nicht los wird, man spielt gegen eine mittelprächtige KI. Das Recyclen der Levels von Mehrspieler zu Singleplayer hätte auch weniger offensichtlich gelöst werden können. Hier wäre viel mehr nötig gewesen um dem Genre einen Stempel aufzudrücken.

Für interessierte Gamer ist es aktuell fast unmöglich, nichts von der Lootboxen-Diskussion im Ganzen und deren Auswirkungen auf Star Wars Battlefront II im Speziellen mitzubekommen. Diese führte sogar so weit, dass die Echtgeldvariante vorerst aus dem Spiel entfernt wurde um dem Aufschrei der Community entgegenzuwirken. Dass diese Lösung nicht endgültig und die Wiedereinführung nur eine Frage der Zeit ist, darf als sicher angesehen werden. Wie, wann und in welcher Form dies geschieht ist derzeit noch offen. So oder so, ein flaues Gefühl im Magen bleibt. Aber wieso eigentlich die ganze Aufregung?

Das Aufwerten der Spielelemente (Fahrzeuge, Klassen, Helden, …) geschieht ausschließlich durch die Beute aus Lootboxen. Man weiß nie was man erhält und levelt, wenn man Pech hat, Charaktere auf die man ohnehin nicht spielt. Kaufen kann man die Lootboxen für die Ingamewährung mit der auch Helden erkauft werden wollen. Deren Preis musste nach harter Kritik der Spielergemeinde schon vor Release herabgestuft werden, um den Grind ein wenig zu beschränken… ohne diesen kommt man aber kaum weiter, da die Preis verhältnismäßig hoch sind. Dazu wirbeln die Starcards die Balance gehörig durcheinander, da ihre Effekte starken Einfluss auf die Wirksamkeit der Fähigkeiten nehmen.

Die aktuelle Situation ist ziemlich katastrophal und wird vom Entwickler bearbeitet. In welche Richtung sich etwas ändert, man und wie die Echtgeld-Lootboxen wiederkehren … nichts genaues weiß man nicht.

Der letzte Punkt kann für manchen sehr schnell ein absolutes No-Go sowie totaler Gamebreaker sein. Was sehr schade wäre, da man so ein im Kern sehr spaßiges und technisch herausragendes Spiel im (unschlagbaren (ja, ich hab’s gesagt!)) Star Wars Universum verpasst. 

Unter diesen Umständen zählt die aktuelle Bewertung unter Vorbehalt.

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4.1 von 5 Sternen (69 customer reviews)

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Fazit

Battlefront II stolpert ziemlich schwer über die eigenen Füße. Wie es sich fängt hängt von der Käufer- und Spielerschaft ab. Vor allem auch von den angedeuteten Änderungen was die Lootboxen bzw. den Einsatz von Echtgeld angeht. Mit Pay2Win (Gamepay) möchte sich schließlich niemand beschimpfen lassen.

Story und Arcade-Modus dienen leider höchstens als Vorbereitung für den Mehrspielermodus (oder um ein paar Credits für Lootboxen zu farmen). Hier lassen sich atmosphärisch grandios inszenierte Gefechte erleben. Ein bitterer Nachgeschmack wegen Zufallsloot und damit verbundenen Balance-Schwächen ist aber nicht von der Hand zu weisen.

Fans mit gehobener Frusttoleranz packen zu, alle anderen warten Änderungen ab setzen eine Runde aus.

Wertung

Grafik - 92%
Sound - 90%
Gameplay - 60%
Umfang - 62%

76%

Zwei Schritt vor und zwei zurück. Optik, Atmophäre und im Kern gute Spielbarkeit täuschen schwer über Fehlentscheidungen hinweg.

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