Dienstag , August 21 2018

Test: Warlords of Draenor – Erhörst du den Ruf der Helden?

In der mittlerweile fünften Erweiterung zu World of Warcraft, Warlords of Draenor (WoD) führt es geneigte Spieler (zurück?) in die Welt, die ihnen als Scherbenwelt bekannt… sein… wird? Moment, was…?

WoD nutzt das Element der Zeitreise und präsentiert als Spielwiese den Planeten Draenor, Heimat der Orcs, den man schon in „The Burning Crusade“ besuchte. Letzteres spielt, der Zeitreise sei Dank, erst in der geschichtlichen Zukunft, so dass WoD eine heile statt der bekannten Scherbenwelt bietet. Nein, unaufmerksamen Naturen wird die WoW-Geschichte auch jetzt nicht leicht dargebracht. Wer sich aber in ihr auskennt und sogar wohlfühlt, hat den Knoten schnell entwirrt.

Den harten Fakten nach klingt WoD beinahe ernüchternd: 10 neue Stufen, also ein Level-Cap von 100, keine neuen Rassen, keine neuen Klassen und dann noch eine Welt, die man schon zu kennen scheint? Doch es steckt, soviel sei gesagt, wieder einmal mehr dahinter, als der erste Blick offenbart. Was diese neue, alte Welt wirklich mit sich bringt, ob der Besuch eine Rückkehr oder gar einen Erstkontakt mit der WoW-Welt wert ist, wollen wir testen.

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Das hat uns gefallen

Der Anfang wird einem wie gewohnt sehr leicht gemacht: Nach dem Login tauchen wie von Geisterhand die relevanten Quests auf, die uns nach Draenor führen. Wie von Blizzard gewohnt, wird man geschickt in die neue Welt, ihre Eigenheiten und Geschichte eingeführt.

Vertonte Zwischensequenzen, spaßige und spannende Aufträge welche die Rahmenhandlung weiterspinnen, baldiges Erreichen neuer Berufsfertigkeiten… sehr schnell hat einen der WoW eigene Flow gepackt wie jeher. Die Tretmühle aus Level-Up, neuen Items und frischen Instanzen funktioniert wie geschmiert und sorgt für das wohlige Mittendrin-Gefühl, das seit dem Start 2004 so viele Fans (und Gegner) gefunden hat.

Ein Highlight von WoD ist auf jeden Fall die Garnison, die uns im Verlauf der Geschichte anvertraut wird und die sich mit der Zeit (und WoW-typischen Farm- und Quest Aufwand) zur respektablen Feste mausert. Diese dient uns nicht nur als (Haupt-) Rückzugspunkt, sondern unterstützt uns auch beruflich (dank eigenem Angelplatz, Kräutergarten, einer Mine, …) und gibt uns Möglichkeiten, unsere Anhänger zu verwalten.

Anhänger? Ja! Als Held unzähliger Schlachten, Bezwinger von Drachen, Dämonen und Göttern, scharen sich nun Bewunderer und anderes Gefolge um euch. Diese könnt ihr auf eigene Missionen schicken von denen sie, sofern erfolgreich, sogar Beute mitbringen. Mehr Erfahrung für nötige Stufenaufstiege der Anhänger, Gold, Ressourcen für den Ausbau eurer Garnison oder gar Ausrüstung für sich (oder euch!)… die Aufträge sind weit mehr als Selbstzweck und erweitern das Spiel, wenn auch im kleinen, um eine strategische Note. Schließlich wollen auch Vor- und Nachteile eures Gefolges abgewogen werden bevor ihr sie auf Mission schickt. Alternativ lasst ihr sie in einem eurer produzierenden Betriebe arbeiten, damit die die Erträge erhöhen – dann stehen sie euren Aufträgen allerdings nicht zur Verfügung. Weiterhin könnt ihr einen Begleiter mit euch nehmen damit er euch im Kampf in der freien Welt unterstützt oder sie helfen euch bei Angriffen auf eure Garnison.

Der begrenzte Bauplatz der Garnison verlangt ebenfalls so manche Entscheidung ab und nötigt einen zu (vorübergehend) Prioritäten zu setzen. Immerhin kann man Gebäude bei Bedarf ersetzen. Mancher Bau versorgt uns mit Quests, ermöglicht das erlernen neuer Reittiere (Betonung auf Reit – denn Fliegen ist auf Draenor (aktuell?) komplett untersagt!) oder eröffnet neue Optionen für das PvP.

Die Garnison ist, wenn man so möchte, wie ein kleines Spiel im Spiel, mit dem man sehr viel Zeit verbringen kann. Ganz ohne Kritik kommt aber auch sie nicht davon, wie weiter unten aufgeführt. Nichtsdestotrotz integriert sich das Konzept hervorragend in die WoW-Welt und ist sehr schnell selbstverständlicher Teil von ihr, wie es zuvor die Haustierkämpfe waren. Super!

Neben der Garnisons-Revolution kommt natürlich auch einiges an Spielwelt-Evolution. Neue, bzw. seit „The Burning Crusade“ stark veränderte Questgebiete, Items, Questreihen. Mehr Schätze und Geheimnisse für Spürnasen und jeden, der gern abseits der Wege geht. Nachschub an Instanzen (unter anderem die Rückkehr der Oberen Schwarzfelsspitze), Raids und Fraktionen… WoD hat mehr vom Bekannten im Gepäck. Auf maximale Spielbarkeit getrimmt ist dies aber kein Nachteil, sondern einfach das, wonach es einem WoW-Spieler dürstet.

Evolution gibt es auch an der Technik-Front. Nicht High-End Grafikpracht sondern stimmiges und auf den Punkt gebrachtes Artdesign transportieren seit jeher die Atmosphäre. Manches Modell könnte zwar höher aufgelöst, manche Textur schärfer gezeichnet sein, doch geht all das bald im großen Ganzen unter.Akustisch kann auch ebenfalls nicht geklagt werden. Der wunderbar stimmige Soundtrack versüßt manche Farm-Stunde und unterstreicht den Flair der Umgebung exzellent.

Auch hier, im besten Sinne: WoW – da weiß man was man hat!

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Das hat uns nicht gefallen

So schön das Leveln und Erkunden der neuen/alten Welt auch ist, endet man doch – je nach eigenem Spiel-Pensum und -Tempo – recht zügig wieder im alten Trott aus Farmen und Grinden. Natürlich sind Instanzen und Raids neu und bringen ihre Eigenheiten mit, doch haben gerade eingefleischte Spieler schnell den Dreh raus und das Erreichen neuer Ausrüstung steht wieder im Vordergrund. Das Ganze lässt sich schwer als echte Kritik anbringen, war dies doch seit jeher ein großer – wenn nicht der – ausschlaggebende Punkt in World of Warcraft. Allerdings empfanden wir die Zeit, die wir für den Progress von Stufe 90 bis 100 gebraucht haben als zu kurz.

Das Spiel führte uns zielsicher durch die Gebiete, brachte uns die Neuheiten und Geschichte spielend näher und schon… war die Maximalstufe erreicht. Große Teile sind entdeckt, ganze Länder „abgequestet“ und man stand und steht wieder vor der Frage: „Und jetzt?“
Gern hätten wir noch etwas länger neue Draenor-Luft geschnuppert und die Welt entdeckt. Somit auch ein Ratschlag am Rande: Lasst euch Zeit und genießt das Spiel – es lohnt sich! Der WoW-Alltag erreicht euch früh genug.

Ein weiterer großer Punkt ist die gelobte Garnison. Die neuen Möglichkeiten die sie bietet und das Plus an Atmosphäre kann man nicht anzweifeln, doch lässt die sie Charaktere auch ein wenig vereinsamen. Da andauernd ein Anhänger von einer Mission zurückkehrt, ein Betrieb eine Produktion abgeschlossen hat bzw. auf Aufträge wartet oder man auf die auch hier verfügbare Bank zugreift: Sehr viel spielt sich in der eigenen Garnison ab – ohne Interaktion mit anderen Spielern. Zwar besteht die Möglichkeit andere Spieler zu besuchen (und so auch teilweise auf ihre Gebäude zuzugreifen), doch muss man sich dafür in einer Gruppe befinden. Da einen die Verwaltung doch schnell zurück in die eigenen Wälle führt, ist die Interaktion von kurzer Dauer und schnell auf gemeinsames Abwehren einer Invasion reduziert. Uns fehlt ein gemeinsamer Treffpunkt wie die Terrasse des endlosen Frühlings in Pandaria, ein gemeinsam genutztes Shattrath in der Scherbenwelt oder Dalaran in Eiskrone. Die in Draenor gemeinsam genutzte Insel Ashran könnte diesen Platz allerdings einnehmen – warten wir ab! Schließlich war auch sehen und gesehen werden war nun mal immer ein Teil der WoW-Welt.

Noch unentschlossen sind wir was die Berufe angeht – doch hinterlässt die aktuelle Situation ein flaues Gefühl im Magen. Auch weil jeder alles in seiner Garnison produziert – wenn auch in begrenztem Maße – ist der Nutzen des Farmens für benötigte Berufs-Materialien stark zurückgegangen. Spätestens mit dem Einsatz eines Twinks (also eines Zweitcharakters), der in seinem Stützpunkt ebenso fleißig produziert, ist man schon recht schnell unabhängig und versorgt. Wir sind vorsichtig gespannt ob und wie es sich (langfristig) auswirkt.

Fazit

Wer, aus welchem Grund auch immer, zur Fraktion der World of Warcraft-Gegner gehört, wird auch hier schwerlich bekehrt werden. Warlords of Draenor ist ein WoW für Eingesessene wie keines zuvor. Pausierer und Neugierige sollten einen Blick riskieren aber folgende Warnung beherzigen: Man neigt dem Spiel, erneut, zu verfallen – Testen auf eigene Gefahr! Für Dauerspieler ist es ohnehin klar am Ball zu bleiben und vielleicht an ihren „Server First!“ zu arbeiten. 

Die aufgeführten Kritikpunkte sollten euch nicht abhalten Draenor zu besuchen. Bis zum nächsten Addon, WoW! Es war mal wieder ein Vergnügen.

Review Übersicht

Grafik - 80%
Sound - 90%
Gameplay - 83%
Umfang - 94%

87%

Gut!

Ein Addon, mit dem typischen Suchtpotential das World of Warcraft seit Jahren auszeichnet.

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