Ubisoft hat mit Tom Clancy’s Ghost Recon: Future Soldier einen weiteren Ableger der beliebten Ghost Recon-Reihe in petto. Bislang hat sich der Franchise vor allem durch die stark taktische Komponente ausgezeichnet. Ob auch Future Soldier ebenfalls ein Freudenfest für jeden Taktiker ist oder doch ein 0815-Shooter, erfahrt ihr in unserem Test.
Tief hinter feindlichen Linien. Die Tarnung ist aktiv, nur ein leises Surren, nicht hörbar für die Feinde, verrät, dass man für jeden Gegner unsichtbar ist. Langsam schleicht sich das Ghost-Team an die feindlichen Stellungen an. Gegner, wohin das Auge blickt, und doch ist ihr Atem ruhig, ihr Puls gleichmäßig – das Training hat sich ausgezahlt. Es wird hektisch, eine Leiche wurde entdeckt – schnell, der Auftrag muss erfüllt werden.
Es war ein schneller Schusswechsel, die Tarnung funktionierte einwandfrei, doch das Ziel ist nicht bereit. Das Team nähert sich einer Straße, dort lauern wieder einige Feinde – auch sie fallen wie die Fliegen. Es regen sich keine Emotionen, auf dem Schlachtfeld ist dafür kein Platz. Der Team-Leader nähert sich dem LKW, die Ladung ist an Board, doch etwas stimmt nicht. Ein Handy – ursprünglich dafür gedacht, die mobile Telekommunikation zu erleichtern – ist der Bote des Untergangs. Die schmutzige Bombe zündet nur wenige Sekunden nach dem Verlassen des Trucks. Das halbe Team ist tot und auch der dritte Kamerad ist der Explosion zum Opfer gefallen. Nur der Leader ist noch am Leben – hängend an einer Klippe. Die schmutzige Bombe regnet auf ihn nieder und er fällt.
Hinter den feindlichen Linien
Immer dann, wenn es keine Auswege mehr gibt oder ein Einsatz ohne viel Aufsehen erledigt werden soll, kommen die Ghosts ins Spiel, eine Sondereinheit des US-Militärs. Geschult darauf, effizient zu sein, minimalen Kollateralschaden zuzulassen und immer erfolgreich zu sein. Zu Beginn des Spiels sehen wir Ähnliches. Die nahe Zukunft ist nicht anders als die Gegenwart. Irgendwo gibt es immer einen bösen Buben, der mit einer großen Rakete Ärger anrichten will. Das erste Ghost-Team, das man nur kurz sehen und erleben kann, ist schon auf der richtigen Spur, bis eine Bombe das gesamte Team auslöscht.
Obgleich das Militär davon geschockt ist, gibt es keine Zeit zum Trauern. Ein neues Team muss her und herausfinden was geschehen ist. Ein Vierer-Trupp soll es richten und als Teil davon beginnt die Geschichte von Tom Clancy’s Ghost Recon: Future Soldier.
Taktik und Geduld
Ja, Ubisoft hat wieder viel Wert auf Taktik gelegt. Es ist unmöglich in Ghost Recon: Future Soldier einfach drauflos zu rennen, selbst mit den technologischen Spielereien des Titels. Euch stehen viele Goodies zur Verfügung, die es in der Form noch nicht gibt. Neben einen Tarnanzug warten kleine steuerbare Boden- Luftfahrzeuge, Sonden, große Kampfroboter mit einer immensen Durchschlagskraft und andere Hilfsmittel auf euch. Dadurch wird Future Soldier aber nicht leichter. Der Einsatz dieser Gadgets hilft euch jedoch gewaltig. Schnell kann man die Positionen der Feinde herausfinden, sich einen Überblick über das Terrain verschaffen und seinen Teammitgliedern die Aufenthaltsorte der Feinde mitteilen.
Praktisch dabei ist eine der wohl wichtigsten Funktionen des Spiels: Der Simultanschuss. Markiert bis zu vier Feinde und eliminiert diese schnell und lautlos. Dieses Feature ist eines der wichtigsten im Spiel überhaupt. Schusslinien verraten, wo sich eure Team-Mitglieder aufhalten und ob sie in der Lage sind, die angepingten Widersacher auszuschalten. Schon hier wird deutlich, wie taktisch Future Soldier ist. Zwar ist man nicht mehr in der Lage, seinen Kameraden einen Befehl zu erteilen bzw. ihnen zu sagen, wohin sie vorrücken sollen, jedoch ist das kaum noch von Nöten. Die KI euer „Mitgeister“ ist derart gut gelungen, dass sie vollkommen selbstständig eine perfekte Deckung finden und die Gegner aufs Korn nehmen. Anders als in anderen Shootern erledigen eure Kameraden tatsächlich ihren Job. Seid ihr einmal mitten im Gefecht oder jemand hat Sperrfeuer auf euch gerichtet, schalten sie die Feinde eigenständig aus.
Bevor man sich allerdings in ein Gefecht stürzt, wird man auf die Gunsmith aufmerksam. Dort könnt ihr eure Waffen und Ausrüstungen auswählen, vor allem jedoch eure Waffen modifizieren. Von der Farbe bis zum Abzug könnt ihr dabei Einfluss auf das Verhalten eures Schießeisens nehmen. So wird ein Schalldämpfer zwar das Mündungsfeuer und den Lärm reduzieren, sich allerdings negativ auf die Durchschlagskraft oder die Reichweite auswirken. Ein neuer Kolben könnte allerdings das Handling der Waffe verbessern. Die Wahl liegt ganz bei euch.
Es muss nicht immer rohe Gewalt sein
Ja, Future Soldier ist ein Shooter. Ja, das Spiel bietet reichlich Action, aber es ist viel mehr als das. Viele Missionen verlangen Fingerspitzengefühl. Werdet ihr entdeckt, ist die Mission gelaufen. Also immer schön in Bodennähe bleiben, den Tarnanzug aktiv halten und lautlos vorgehen. Oftmals ist es dabei von großer Hilfe, wenn ihr euren Mitstreitern viel Arbeit überlasst bzw. einen guten Nutzen aus den technischen Möglichkeiten schlagt. Mit dem Crawler könnt ihr zwar auch fahren, jedoch ist fliegen oft viel sinnvoller. Warum? Sobald Soldaten eine Leiche finden, seid ihr aufgeflogen. Nutzt lieber die Deckungen und gebt euren Kameraden Anweisungen, um euer Ziel zu erreichen.
All die euch gebotenen Möglichkeiten sind fast schon zu viel für ein Kontroller, oder? Nein, Ubisoft hat auch bei Future Soldier einen sehr guten Job abgeliefert. Die Tastenbelegung ist gut gewählt und kann binnen weniger Minuten gemeistert werden, nur das taktische Gespür müsst ihr selbst entwickeln.
Was wirklich für Spaß sorgt, ist die Möglichkeit, in jeder Mission auch einen Freund aus eurer Freundesliste einzuladen, der dann Teil des Ghost-Teams wird. Dadurch wird das Spielerlebnis um einiges interessanter. Aber auch ohne Freunde bietet Ghost Recon: Future Soldier eine packende Atmosphäre, während man von Einsatz zu Einsatz und von Land zu Land reist. Vor allem aber die Vielfalt an Locations sucht ihresgleichen. Ob im hintersten Winkel Afghanistans, in einem Zeltlager in Afrika oder mitten in einem Schneesturm in Russland – mehr Abwechslung kann ein Titel in diesem Punkt kaum bieten.
Jeder gegen jeden?
Neben dem KoOp-Modus gibt es natürlich auch einen Mehrspieler-Modus. Anders als in anderen Shootern werden euch keine Modi wie Team-Deathmatch oder Deathmatch geboten. Stets seid ihr in einem Team unterwegs und müsst einige Aufgaben erfüllen, entweder auf Seiten von Team Ghost oder auf der von Team Bodark – beide verfügen über die gleichen technischen Voraussetzungen. Wie in vielen anderen Shootern gibt es auch in Future Soldier einige Klassen und Ausrüstungsgegenstände, die man mit steigendem Level freischalten bzw. bearbeiten kann.
Team gegen Team, also doch Team Deathmach? Nein, es gilt während eines Matches auch noch Missionen zu erfüllen und das hat es echt in sich. Hier kann man zwar auf viele der taktischen Hilfsmittel zurückgreifen, jedoch nicht im Maße des Singleplayers. Jede Klasse hat ihre ganz eigenen Vorteile. So ist es beispielsweise dem Späher vorbehalten, einen Tarnanzug zu tragen.
Schöne Grafik?
Bisher konnte Future Soldier in allen Bereichen sehr gut abschneiden, auch bei der Grafik? Nein, hier wird euch „nur“ gehobener Standard geboten. Die Gesichter der Soldaten wirken ziemlich altbacken, die man während einer Zwischensequenz, die stets in Spielegrafik gehalten sind, erblicken kann. Texturen und Effekte sind ebenfalls auf einem hohen Standard, jedoch nicht atemberaubend. Ubisoft hat bei der Entwicklung deutlich mehr Zeit auf ein stimmiges Gameplay verwendet. Bei den Animationen der einzelnen Soldaten gibt es jedoch keinen Grund zu meckern, das Motion Capture-Verfahren zeigt lebensechte Bewegungen während der Kämpfe.
Und der Sound? Nun, hier zeigt sich Ghost Recon wieder von der sehr guten Seite. Viele Spiele weisen oft eine vermurkste Synchronisation auf, nicht so Future Soldier. Die Stimmen passen in das Gesamtbild und tragen zum Erhalt der Atmosphäre bei. Nur die etwas schlampige Lippensynchronisation hätte in dieser Form nicht sein müssen. Praktischerweise kann man die Sprachausgabe auch auf Englisch stellen und sich mit den deutschen Untertiteln begnügen. Andere Effekte sowie der Soundtrack sind der Zuckerguss auf einem sehr gelungen Kuchen namens Ghost Recon: Future Soldier.
Fazit:
Ubisoft hat es wieder einmal geschafft. Ghost Recon: Future Soldier ist ein wahres Freudenfest für jeden Taktikshooter-Fan. Der 3rd-Person-Shooter ist in puncto Gameplay kaum zu schlagen. Die sehr gute KI hilft in allen Lagen und erleichtert euch das Handwerk eines Soldaten.
Einzig die zum Teil veraltete Grafik, die man vor allem bei den Gesichtern der Protagonisten vorfindet, trübt das sonst so positive Bild. Atmosphäre, Gameplay und Sound sind allerdings auf sehr hohem Niveau. Somit können wir Ghost Recon: Future Soldier bedenkenlos eine Kaufempfehlung aussprechen.
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