Freitag , Februar 24 2017

Von Fanboys und „objektiven“ Websites

Jedes Jahr gibt es das sogenannte „Wort des Jahres“. Während es offiziell Wörter wie „Groko“ (große Koalition) sind, gibt es jene Wörter die man in bestimmten Bereichen immer wieder hört. 2013 war und ist das Jahr des Fanboys.

Für jeden unter euch, der mit dem Wort Fanboy nicht viel anfangen kann eine kurze Erläuterung: Fanboys sind in der Regel recht fanatische Anhänger eines Produkts, Vereins oder anderer Dinge, die andere Meinungen ungern und fast gar nicht zulassen bzw. akzeptieren wollen. 2013 brachte der Gaming-Industrie die wohl schlimmsten Fans überhaupt. Noch heute kann man als Gamer fast jede Website besuchen und trifft dabei hauptsächlich auf zwei Arten von Gamern. Jene die die PlayStation 4 favorisieren oder jene die mit der Xbox One spielen. Alle anderen, die mit dem PC oder gar beiden Geräten unterwegs sind, werden entweder komplett ignoriert oder weggemobbt.

console warWarum ist das so? Nun, im November 2013 haben Sony und Microsoft ihre neuen Konsolen veröffentlicht. Das zwei neue Geräte nur wenige Tage von einander entfernt auf den Markt kamen war gänzlich neu. PS3 und Xbox 360 trennte ein ganzes Jahr. Allein die fehlende zeitliche Barriere war nicht der Grund für das aggressive Verhalten. Angefangen hat es mit der Ankündigung der PS4. Sony stellte ihre neue Konsole vor und hat die Welt begeistern können. Nachdem Microsoft dann ebenfalls die eigene Konsole im April 2014 vorstellte war man verwirrt und verstand die Welt nicht mehr. Während der Präsentation hat sich Microsoft auf alle Felder der Xbox One gleichzeitig konzentrieren wollen, dabei aber den Bereich des Gamings vernachlässigt. Stattdessen hörte man als Gamer nur das Wort „TV“.

Sony indes erkannte darin eine Gelegenheit und baute ihre Konsolenpräsentation während der E3 so auf, dass man die eigenen Stärken gar nicht mehr hervorheben musste, stattdessen hat man sich auf „subtile“ Weise die Schwächen der Xbox One zu Nutze gemacht. Vom Hype der PS4, und der zum Teil schlau umgesetzten Kampagne von Sony, erfasst, haben Gamer und auch die Presse gegen Microsoft zum Schlag ausgeholt. Es galt dann viele Monate als „in“ eine Anti-Xbox Einstellung zu haben. Selbst Webseiten die sich bis dato als objektiv und unvoreingenommen bezeichnet haben, mischten ordentlich mit. Microsoft hat sich während dieser Zeit das Feedback der Gamer, das zum wahren „Shitstorm“ ausgeartet war, zu Herzen genommen und hat die Struktur der Xbox One geändert. Themen wie DRM- oder „Always Online“-Änderung wurden zwar von der Presse aufgegriffen, doch haben die ach so objektiven Seiten ihre persönliche Meinung geschickt ins Wortgeflecht einfließen lassen. Es ist natürlich nicht verwerflich auch als Website seine eigene Meinung zu vertreten, doch sollte dies immer unter der Prämisse der fairen Berichterstattung geschehen.

Dies soll nun kein Loblied auf die Xbox One werden, denn wenn man ehrlich ist, hat Microsoft viel falsch gemacht. Angefangen bei er Recherche bis hin zur Präsentation der Xbox One. Die Richtung des Redmonder Konzerns mochte zukunftsweisend sein, doch hat Microsoft das Wichtigste vergessen: den „freien Willen“. Als Gamer möchte man sich dazu entscheiden den nächsten Schritt zu gehen, ihn aber nicht aufgedrängt bekommen. Letztlich führte dies dazu, dass die Xbox One mehr der Xbox 360 ähnelte aber noch immer die „Zukunft“ in sich trug – aber zurück zum Thema.

Webseiten und Fanboys – eine Zweieinigkeit, die nicht zu trennen sind. Fans, die das Produkt ihrer Wahl verteidigen machen dies oft mit dem Wissen, dass sie von verschiedenen Seiten erlangen. Allerdings sollte dieses Wissen immer nur unter Vorbehalt genossen werden, denn jede Website, egal wie groß oder alt, besteht aus Leuten die sich einem Thema verschrieben haben, in diesem Fall dem Gaming. Objektivität wird dabei zum Mythos, denn egal wie sehr man sich bemüht, kann es nie gelingen zu 100 Prozent objektiv zu sein. An sich nicht schlimm, doch wird dies dann noch mit Halbwissen vermischt ist ein Streit unter Fans vorprogrammiert. Hierzu ein Beispiel von mir.

Console-War-OverWieder einmal bediene ich mich der Xbox One und der PS4. Während Sony fast alle Spiele in 1080p ausgeliefert hat, überließ Microsoft den Entwicklern die Entscheidung selbst, welche Auflösung man für ihr Spiel nutzen möchte. Hier kam schon der Stein ins Rollen, der sich später schnell als Lawine entpuppte. Fans stritten darüber woran es liegen könne, dass beispielsweise ein Call of Duty auf der PS4 in 1080p und auf der Xbox One nur in 720p erscheint. Die Antwort von Fans und vielen Seiten basierte nicht auf Wissen: die Xbox One MUSS weniger Leistung haben. Gut, denkt man logisch und kennt keine anderen Fakten bzw. die technischen Spezifikationen, könnte es durchaus wahrscheinlich sein. Hier stehen dann aber die Seitenbetreiber in der PFLICHT. Es gilt zu recherchieren. Kann die Xbox One wirklich nur 720p wiedergeben? Wenn ja, warum hat Microsoft dann ein 4K-HDMI Kabel beigefügt? Wie sieht es mit der Technik aus? Wenn nur 720p, warum läuft Forza Motorsport 5 dann in 1080p und mit 60 Bildern pro Sekunde? Solche Fragen muss nachgegangen werden. Sachverständige sollten gefragt werden, die mit der Thematik nicht nur „zutun“ haben, sondern damit ihr täglich Brot verdienen. Warum macht es dann niemand? Die Antwort darauf ist schnell gegeben: Heutzutage ist das Wort Journalismus mehr Fassade als erlernter Beruf. In Zeiten des Internets ist es doch viel bequemer die sogenannte Expertise von selbsternannten „Profis“ zu übernehmen, die ihr „Wissen“ auf die Welt los lassen. Leider beeinflusst dies nun die Fans und schon ist dann ein Fanboy geboren. Halbwissen gepaart mit der festen Überzeugung, dass man im Recht liegt, führt zu unschönen Diskussionen und handfesten Streits.

Dabei verlieren wir als Spieler etwas Essentielles aus den Augen: den Spaß. Wohin sind die Tage, an denen man sich für eine Konsole entscheiden konnte ohne dass es von anderen ins Lächerliche gezogen wurde? Wohin ist die Zeit als es noch wichtig war was man spielte und nicht worauf? Als ich aufwuchs war es eher schön, wenn Freunde und Bekannte eine andere Konsole hatten. Man kam dann in den Genuss ein anderes Gerät nutzen zu können; etwas Neues zu erleben. Natürlich kann man nicht wegreden, dass Geld ein wichtiger Faktor ist. Konsolen sind nicht billig, allerdings muss man deshalb nicht den Geschmack des anderen verachten oder diesen sogar verurteilen. Wichtiger ist es, dass man am Gekauften seine Freude hat. Als Gamer, der sich nicht durch die Plattform identifiziert, kann man nur hoffen, dass die Fanboy-Tage schnell wieder vergehen und man sich wieder auf das konzentrieren kann was Gaming seit vielen Jahrzehnten ausmacht: auf Spaß und das Miteinander.

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