Donnerstag , Dezember 5 2019

WWE All Stars: Review: Die alten Zeiten

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Was wäre, wenn unsere Helden von damals mit aktuellen Wrestlern in den Ring steigen würden? Hulk Hogan gegen Randy Orton? The Rock gegen John Cena? THQ lässt diesen Traum in WWE All Stars wahr werden und verspricht den wrestlingbegeisterten Spielern satte Arcade-Action vom Feinsten und 30 Kämpfer aus vergangenen und aktuellen Tagen. Ob die alten Haudegen gegen das frische Fleisch von heute wohl noch bestehen können? Hulk Hogan brennt sicher auf sein Comeback gegen aufstrebende Muskelprotze!


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Comeback der Giganten

Wer das Spiel zum ersten Mal ins Laufwerk legt merkt sofort, WWE All Stars ist weniger eine penibel abgestimmte Wrestling-Simulation, sondern vielmehr ein reiner Arcade-Titel. Seien es nun die Muskelproportionen der Wrestler, die ordentlich übertriebene Pakete auf den Schultern und den Oberarmen tragen, oder das gesamte Gameplay, das auf Spielspaß und einwandfreies Geprügel abzielt. Alles was wir dazu brauchen sind eine überschaubare Zahl an Kämpfern, Spielmodi und einen Mehrspieler-Modus für mich und meine Freunde. Wer braucht schon den ganzen Schnickschnack durch unzählige Fighter in der Riege oder Spielmodi, von denen wir die Hälfte eh nicht verstehen oder benutzen?

Fantasy Warfare ist die erste Kampfvariante und lässt immer einen aktuellen Fighter der WWE-Szene gegen eine alte Legende in einem Motto Fight antreten, bei denen sich entweder Highflyer oder etwa Riesen bekämpfen. Dabei besteht zwischen den beiden Kontrahenten immer eine bestimmte Verbindung, das Match, also die darin enthaltenen Fighter, sind demnach fest vorgeschrieben. Wir dürfen uns dabei nur für eine Seite entscheiden und den Kampf entweder aus der einen oder anderen Ecke des Rings starten. Wie es sich natürlich gehört werden die Matches immer mit einer passenden Zwischensequenz eingeläutet, die uns auch gleichzeitig erklären, wieso jetzt gerade diese beiden Wrestler gegeneinander antreten. Fantasy Warfare sind ganz normale Standardkämpfe, bei denen insgesamt zehn weitere Fighter freigeschaltet werden können. Dazu reicht es aus, den jeweiligen Kampf mit dem noch nicht verfügbaren Charakter zu gewinnen.

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Komm, lass dich schlagen

Path of the Champions hingegen gibt es wieder in drei verschiedenen Ausführungen. Entweder begleiten wir den allseits beliebten Undertaker und Paul Bearer mit seinem furchterregenden Sarg, Randy Orton oder das DX Tag Team Triple H und HBK. Gegen das Tag Team treten wir natürlich mit einem KI-Kollegen an und müssen uns nicht ganz alleine gegen Triple H und HBK zur Wehr setzen. Die Standardkämpfe werden in Path of the Champions zusätzlich in 1on1, Handicap, Triple Threat und Fatal 4-way untergliedert und um weitere Spielmodi erweitert. Tornado Tag Team lässt zwei Teams gegeneinander antreten, wobei alle vier Kämpfer gleichzeitig im Ring stehen und sich ordentlich auf die Backen hauen. Im Elimination hauen wir einen Wrestler nach dem anderen aus dem Ring. In Steel Cage gewinnt der Kämpfer, der zuerst aus dem Käfig klettert. Zuletzt vergessen wir im Extreme Rules alle Regeln im Ring und lassen auf unseren Kontrahenten jeden noch so unfairen Schlag niederprasseln. Wer möchte darf sich hier zum Beispiel auch passendes Equipment unter dem Ring holen und den Gegner mit einem Tisch oder ähnlichem zu Leibe rücken.

Wie bereits erwähnt ist WWE All Stars ein reines Arcade-Spiel und legt demnach auch wenig Wert auch Realismus. The Rock sieht noch übertriebener und aufgepumpter auf, als er ohnehin schon ist. Sogar die Moves der Fighter sind derart übertrieben, dass die Wrestler teilweise Meter hoch durch den Ring fliegen und sich kräftig auf die Zwölf geben. Neben Schlägen und Tritten verfügt jede Figur im Spiel wieder über vier verschiedene Signature Moves, die durch eine tolle Zeitlupe betont und in Szene gesetzt werden. Dabei greifen Hulk Hogan und Co. auf Moves aus der gesamten Karriere zurück und liefern damit quasi ein Best Of ihrer Wrestlingkunst. Dabei sorgt das Viereck für einen leichten und das Dreieck für einen schweren Schlag. X und der Kreis sind hingegen für leichte und schwere Angriffe zuständig. Zusammen mit dem linken Analogstick, mit dem nicht nur den Kämpfer durch die Arena steuert, werden die Attacken variiert und verändert. Über die Schultertasten wird dann lediglich noch gerannt und gekontert. Speziell die Konter sind gefährlich, weil sie nämlich einfach wieder gekontert und noch mal gekontert werden können! Ihr seht, die Steuerung erinnert vielmehr an ein Beat’em Up, als an ein waschechtes Kampfspiel. Was aber definitiv kein Nachteil, sondern eher ein Vorteil für den Spaßfaktor ist.

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Macho Man is back

Auch dieses Mal werden die knapp 30 Recken wieder in vier verschiedene Kategorien unterteilt. Es gibt Akrobaten wie Macho Man, die sich in luftiger Höher am wohlsten fühlen und gerne auf den Seilen im Ring umher spazieren. Griffexperten wie Bret Hart hingegen bauen vielmehr auf Submissions und sind in der Lage mehrere Würfe hintereinander zu einer recht starken Kombination aufzubauen. Drew McIntyre hingegen lässt als Brawler seine Fäuste sprechen und erfreut sich extrem harten Schlägen, die präzise im Gesicht des Gegnüber platziert werden. Letzteres sind die Riesen. Ja richtig, die Riesen! Darunter fallen zum Beispiel Bigh Show oder Andre the Giant, die eben durch ihre enorme Körpergröße und -masse punkten. Speziell Brawler und Riesen dürfen ihre Schläge „aufladen“ und mit noch mehr Schmackes austeilen. Die Lebensbalken der Wrestler durchlaufen dabei mehrere Farbphasen, von grün bis rot. Je schwerer der Charakter verletzt ist, desto einfacher ist es natürlich auch ihn zu „pinnen“ oder mit einem Finisher sofort K.O. zu setzen.

Ärgerlich hingegen ist, dass es kein Tutorial oder Training gibt, wo wir uns Kampffähigkeiten oder Wissenswertes aneignen können. Das komplette Know-How müssen wir und also mühselig selbst aneignen und aus den eigenen Fehlern lernen. Immerhin dürfen wir uns einen ganz eigenen Kämpfer erstellen, der gegen die Legenden und neuen Fighter in den Kampf zieht. Die Möglichkeiten sind jedoch recht begrenzt. Den Editor für die Finishing Moves suchen wir recht lange vergebens. Positiv fällt die Option ins Auge, mit der wir die Einmärsche vor einem Kampf deaktivieren können. Wieso auch immer muss WWE All Stars die kurzen Sequenzen recht lange Lade, nur um danach direkt wieder in den Ladebildschirm für das Spiel zu stürzen. Eine recht mangelhafte Programmierung, die dank dieser Option jedoch ausgebügelt wird.

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Gemeinsam prügeln

Wer gemeinsam mit Freunden spielen möchte, darf dies natürlich tun. Neben dem Spiel über das PlayStation Network gibt es auch einen lokalen Modus, bei dem bis zu vier Freunde an einer Konsole zocken dürfen. Dadurch entsteht im heimischen Wohnzimmer richtig viel Spaß. Die Matches dürfen über eine Vielzahl an Einstellungsmöglichkeiten ganz individuell eingestellt werden. Online warten dann ungewertete und gewertete Ranglistenspiele. Im Mehrspieler-Modus fällt jedoch recht schnell die schlechte Balance der Kämpferklassen ins Auge. Kaum jemand spielt mit Brawlern, Riesen oder Akrobaten. Fast jeder halbwegs intelligente Hobbywrestler erkennt die Stärke der Griffexperten. Durch ihre Grifftechniken und wirklich sehr schnellen und harten Finishern hauen Bret Hart und seine Freunde jeden Kontrahent schnell aus den Socken. Vielleicht sorgt THQ ja mit einem Patch hier noch für Abhilfe.

Technisch gibt es an WWE All Stars kaum etwas auszusetzen. Die Animationen, Moves und Kämpfe laufen komplett flüssig. Bis auf kleinere Clippingfehler, die ja auch irgendwo fast in jedem Spiel zu finden sind, gibt es optisch kaum Mängel. Musikalisch werden die Menüs passend von der Einmarschmusik der Kämpfer begleitet. Besonders aufregend sind die Finisher in Zeitlupe, wo sogar der Herzschlag der Wrestler zu hören ist. Ansonsten zeichnet sich die Bedienung sehr einfach und zufriedenstellend. THQ hat sich mit dem Arcade lastigen Gameplay ganz richtig entschieden. Lediglich die KI der Kontrahenten hätte ein wenig knackiger sein dürfen. Zwar kontern selbst schwere Gegner sehr viel und hart, mit der Zeit wird das Verhalten jedoch durchschaubar und damit auch recht einfach zu bezwingen.

Fazit:

WWE All Stars ist ein feines Prügelspiel und nicht nur einen Blick für Wrestlingfans wert. Wer sich gerne im Ring mit anderen die Köpfe einschlägt hat hier die beste Chance dazu. Dadurch, dass THQ weniger auf eine echte Simulation, sondern mehr auf reinen Arcade-Spielspaß baut, gewinnt WWE All Stars viel mehr Spielspaß, als jetzt etwa die Konkurrenz, die zwanghaft versucht alles so realistisch wie möglich darzustellen. Manchmal muss Hulk Hogan eben zwei Meter durch die Luft wirbeln und seinen Fuß in der Magengrube des Anderen versenken, damit dieser im hohen Bogen aus dem Ring fliegt. Sowas macht einfach richtig viel Spaß und das ist auch ganz gut so. Aber auch technisch ist WWE All Stars sehr solide. Wer seinem Kollegen also mal wieder ordentlich eins auf die Zwölf geben möchte, kann dies jetzt auch mal wieder machen.

Wertung:

Grafik: 7,8 von 10
Sound: 7,6 von 10
Gameplay: 8,1 von 10
Umfang: 7,7 von 10
Gesamt: 7,8   

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